Die mit dem Hoodie kam zum dritten Mal.
Lena wusste nicht, woher sie das wusste — sie hatte nicht gezählt, sie hatte es nicht gezählt, aber ihr Körper hatte es gezählt, irgendwo unterhalb des Denkens, und jetzt wusste sie es mit einer Sicherheit, die keine Zahl brauchte. Zweimal war die mit dem Hoodie in dieser Nacht schon auf die Bühne getreten, zweimal hatte sie sich hingekniet, zweimal hatte sie es genommen, und jetzt kniete sie wieder, und ihr Rücken glänzte, und der Scheinwerfer stand so, dass man jede einzelne Schweißperle sehen konnte, wie sie über die Wirbelsäule lief und am Kreuzungspunkt der Seile verschwand. Der Mann hinter ihr hatte seine Hand in ihrem Haar, nicht grob, sondern ruhig, so wie man etwas festhält, das man kennt. Sie hob nicht den Kopf. Sie wartete.
Lena stand am Rand des Lichts und merkte, dass sie ihre Handtasche nicht mehr in der Hand hatte.
Sie wusste nicht, wann sie sie abgesetzt hatte. Sie wusste nur, dass ihre Hände jetzt leer waren und dass das besser war, und dass sie einen Schritt nach vorn gemacht hatte, ohne sich dafür zu entscheiden, und dann noch einen. Der Bass drang durch die Sohlen in ihre Fußknöchel, in die Schienbeine, in den Brustkorb, ein langsames Pochen, das nicht schneller wurde und nicht langsamer, das einfach da war wie ein zweiter Puls, der nicht ihr gehörte. Die Luft roch nach Schweiß und Leder und darunter, ganz dünn, nach dem Öl aus dem Umkleideraum. Irgendwo an ihrer linken Hüfte lag kühles Metall — der Ring der Bank, an der sie vorbeigestrichen war, oder eine Kette, die von einem Haken hing, sie wusste es nicht, sie wusste nur, dass die Kühle blieb und nicht wich, ein kleiner kalter Punkt auf ihrer Haut, der sich nicht bewegte, während alles andere sich bewegte.
Der Mann zog seinen Schwanz aus ihrem Mund.
Er tat es langsam. Er hielt ihn an ihrer Unterlippe, eine Sekunde, zwei, und die mit dem Hoodie blieb, wie sie war, den Mund offen, die Zunge noch ein Stück heraus, als hätte sie nicht verstanden, dass es vorbei war, oder als hätte sie verstanden, dass es nicht vorbei war. Speichel lief ihr aus dem Mundwinkel über das Kinn und tropfte, und der Tropfen fiel im Scheinwerferlicht, und Lena sah ihn fallen, die ganze Länge, bis er auf dem Holz der Bühne aufschlug und dort ein dunkler Fleck wurde, klein und rund und vollkommen gleichgültig.
Der zweite Mann kniete schon hinter ihr.
Lena hatte ihn nicht kommen sehen. Sie hatte die Augen auf dem Mund gehabt, auf dem Speichel, auf dem Tropfen, und in dieser Zeit war der zweite Mann hinter die mit dem Hoodie getreten, hatte ihre Hüften gefasst und sie ein Stück angehoben, und sie hatte sich heben lassen, ohne den Rücken zu ändern, ohne die Knie zu schließen, und jetzt stand sie auf allen vieren, die Arme gestreckt, die Hände flach auf dem Holz, und der zweite Mann war in ihr, und Lena sah es an der Art, wie sich der Rücken der mit dem Hoodie spannte, wie sich die Schulterblätter zusammenzogen, wie der Atem aus ihr herausging, nicht als Laut, sondern als Bewegung, als ein Zittern, das von innen nach außen lief.
Der Bass. Das Metall an ihrer Hüfte. Der Geruch.
Sie hätte wegsehen können. Sie wusste das. Sie wusste, dass niemand sie festhielt, dass Viktor in der Lounge saß und nicht herübersah, dass die Männer auf der Bühne sie nicht ansahen, dass die mit dem Hoodie die Augen geschlossen hatte und die andere irgendwo im Dunkelndunkel stand und wartete. Sie hätte sich umdrehen können, ihre Handtasche nehmen, die Treppe hinaufgehen, in die kalte Nacht treten und die U-Bahn nehmen und in ihrem Bett liegen und die Decke. Sie wusste das alles, und sie blieb, und ihr flacher Atem ging schneller als der Bass, und zwischen ihren Schenkeln war eine feuchte Hitze, die sie nicht benannte, nicht einmal in Gedanken, weil Benennen etwas war, das man tat, wenn man sich entschieden hatte, und sie hatte sich nicht entschieden, sie war einfach hier.
Der zweite Mann stieß zu.
Nicht hart. Nicht schnell. Er hatte einen Rhythmus, den er hielt, und die mit dem Hoodie hielt ihn mit, sie nahm jeden Stoß und gab ihn zurück, nicht mit den Hüften, sondern mit dem Atem, mit dem ganzen Rücken, und Lena sah, wie sich ihre Arme langsam durchdrückten, wie die Ellenbogen weich wurden, wie der Kopf tiefer sank. Der erste Mann stand vor ihr, den Schwanz in der Hand, und wartete, und die mit dem Hoodie öffnete den Mund wieder, ohne dass er etwas sagen musste, und nahm ihn, und jetzt hatte sie beide, vorne und hinten, und ihr Körper bewegte sich in einem Takt, der nicht der Bass war, sondern etwas anderes, etwas, das nur sie und die Männer und vielleicht Lena hörten.
„Gut", sagte der erste Mann. Nur das.
Die mit dem Hoodie machte ein Geräusch, das kein Wort war.
Lena merkte, dass sie einen Schritt näher gekommen war. Sie stand jetzt so nah an der Bühnenkante, dass sie die einzelnen Fasern des Seils sehen konnte, das um die Handgelenke der mit dem Hoodie lag, und den Knoten, und die Stelle, wo das Seil in die Haut schnitt, nicht tief, aber sichtbar, ein roter Strich, der bleiben würde. Sie sah die Schweißspur auf dem Rücken, die jetzt breiter war, die in die Rinne der Wirbelsäule lief und dort stehen blieb, und sie sah die Hände der Männer, die Hände des zweiten auf den Hüften, die Finger, die sich in die Haut gruben, und sie sah, wie sich der Bauch der mit dem Hoodie zusammenzog, immer wieder, in einem Rhythmus, der nicht aufhörte.
Und dann kam der dritte Mann.
Lena hatte ihn vorher nicht gesehen. Er war aus dem Dunkel hinter der Bühne gekommen, ohne Eile, und er ging an der mit dem Hoodie vorbei, an ihrem Rücken, an den Händen der anderen, und er kniete sich hinter sie, hinter den zweiten Mann, und legte eine Hand auf ihren Rücken, flach, zwischen die Schulterblätter, und drückte sie nicht, er hielt sie nur, und die mit dem Hoodie hörte auf, sich zu bewegen. Sie wartete. Ihr Mund war voll, ihre Hüfte war voll, und sie wartete trotzdem, den Rücken unter der Hand des dritten Mannes ganz still, und Lena sah, dass sie die Augen jetzt offen hatte, offen und nach unten gerichtet, auf das Holz, auf den Fleck, den ihr Speichel gemacht hatte.
Der dritte Mann spuckte in seine Hand.
Es war eine kleine Bewegung, beiläufig, keine Zeremonie. Dann führte er seine Hand zwischen ihre Backen, und Lena sah, wie sich der Rücken der mit dem Hoodie anders spannte, nicht wie vorher, nicht der Rhythmus, sondern etwas Engeres, Höheres, und sie sah, wie sich die mit dem Hoodie auf die Ellenbogen stützte, wie sie die Stirn fast auf das Holz legte, wie sie die Knie weiter auseinanderschob, ohne dass jemand es verlangte, und dann sah sie, wie der dritte Mann sich hinter sie schob, langsam, und wie die mit dem Hoodie den Mund weiter öffnete, weil sie den ersten Mann noch drin hatte, und wie ihr Atem durch die Nase ging, laut, schnell, und wie die Hand des dritten Mannes auf ihrem Rücken liegen blieb, ruhig, während er in sie hineinging.
Lena hörte es.
Sie hörte das Geräusch, das es machte, wenn er sich bewegte, und sie hörte, dass es anders war als vorne und anders als hinten, sie hörte das Öl, das noch von der Vorbereitung in ihr war, und sie hörte den Bass, und sie hörte den ersten Mann atmen, und sie hörte ihren eigenen Atem, flach, und sie stand da und sah zu, und ihre Schenkel waren nass, und sie sagte nichts.
Der dritte Mann stieß zu.
Er tat es zweimal, langsam, um den Rhythmus zu finden, und beim dritten Mal fand er ihn, und dann bewegten sich alle drei in einem Takt, der zweite und der dritte und der erste, und die mit dem Hoodie war zwischen ihnen, und ihr Körper nahm es, vorne und hinten, und Lena sah, wie der Schweiß jetzt in Bächen lief, über den Rücken, über die Seite, über die Brust, die unter ihr hing, und wie er auf das Holz tropfte, und wie sich unter ihr eine kleine dunkle Fläche bildete, in der sich der Scheinwerfer brach.
„Sieh sie an", sagte eine Stimme neben Lena.
Lena drehte den Kopf. Die andere stand neben ihr, im Dunkeln, halb außerhalb des Lichts, die Arme verschränkt, und sie sah nicht auf die Bühne. Sie sah Lena an.
„Sieh sie an", sagte sie noch einmal. „Nicht mich."
Lena sah zurück auf die Bühne. Die mit dem Hoodie hatte den Kopf jetzt ein Stück gehoben, die Augen halb offen, und ihr Mund war voll, und der erste Mann hielt ihren Kopf mit beiden Händen, und sie nahm ihn bis zum Anschlag, und ihre Kehle arbeitete, und sie machte das Geräusch, das man macht, wenn man keine Luft mehr bekommt und es trotzdem will, und der dritte Mann hinter ihr hielt sie an der Hüfte und zog sie auf sich zu, und der zweite Mann hatte aufgehört, sich zu bewegen, und stand einfach in ihr und sah zu, wie sie es nahm.
Lena spürte die feuchte Hitze zwischen ihren Schenkeln jetzt bis in die Kniekehlen.
Sie benannte es nicht. Sie drückte die Oberschenkel zusammen, einmal, kurz, und ließ sie wieder los, und das Metall an ihrer Hüfte war noch da, kühl, und der Bass war noch da, und der Geruch war noch da, stärker jetzt, Schweiß und Leder und darunter das Öl und darunter noch etwas, das sie nicht kannte, etwas Warmes, Metallisches, das sie nicht einordnen konnte und nicht einordnen wollte.
Der erste Mann zog sich zurück.
Er tat es schnell, und die mit dem Hoodie japste nach Luft, einmal, laut, und dann nahm sie ihn wieder, ohne dass er es sagen musste, und der erste Mann stöhnte, kurz und überrascht, als hätte er nicht damit gerechnet, und der dritte Mann lachte, leise, und stieß härter zu, und jetzt war es nicht mehr der gleichmäßige Takt von vorher, jetzt war es etwas anderes, etwas, das auf ein Ende zulief, und Lena wusste nicht, woher sie das wusste, aber sie wusste es, sie sah es an der Art, wie sich die Hände der Männer bewegten, wie sie schneller wurden, wie der Griff fester wurde, wie die mit dem Hoodie den Rücken durchdrückte und den Kopf hob und den Mund öffnete, weit, und nichts sagte, und alles sagte.
Der dritte Mann kam zuerst.
Lena sah es, weil sie hinsah. Sie sah, wie sein Rücken sich spannte, wie sein Kopf nach hinten ging, wie seine Hand auf dem Rücken der mit dem Hoodie sich schloss, und sie sah, wie die mit dem Hoodie es nahm, wie sie still hielt, wie sie es hielt, und dann sah sie, wie er sich zurückzog, langsam, und wie etwas von ihm aus ihr lief, über die Innenseite ihres Schenkels, dick und weiß und glänzend, und wie es auf das Holz tropfte, neben den Fleck von ihrem Speichel, und wie die mit dem Hoodie die Beine nicht schloss, sondern sie offen ließ, offen für den zweiten Mann, der noch in ihr war, und für den ersten, der vor ihr stand.
Der zweite Mann kam als Nächster.
Er zog sich nicht zurück. Er blieb in ihr und kam in ihr, und Lena sah, wie sich sein Gesicht veränderte, wie er die Zähne zusammenbiss, wie er die Hüften zweimal noch vorstieß, hart, und dann stehen blieb, und wie die mit dem Hoodie unter ihm leiseise ein Geräusch machte, das fast ein Lachen war, oder ein Weinen, oder beides, und wie sie den Kopf auf das Holz legte, die Wange flach, und die Augen schloss.
Der erste Mann kam in ihren Mund.
Er hielt ihren Kopf mit beiden Händen und stieß dreimal zu, und beim dritten Mal blieb er, und Lena sah, wie sein Bauch sich zusammenzog, und wie die mit dem Hoodie schluckte, einmal, zweimal, und wie etwas an ihrem Mundwinkel herauslief, dünn und weiß, und wie sie es nicht wegwischte, sondern liegen ließ, und wie sie die Augen öffnete und nach oben sah, in den Scheinwerfer, direkt hinein, ohne zu blinzeln.
Dann war es still.
Nicht wirklich still — der Bass lief weiter, und irgendwo im Dunkeln hustete jemand, und das Seil knarrte, als sich die mit dem Hoodie langsam aufrichtete. Aber für Lena war es still. Sie stand am Rand des Lichts und sah auf die Bühne, auf die drei Männer, die sich lösten, auf die mit dem Hoodie, die auf den Knien blieb, den Kopf gesenkt, den Rücken glänzend, und auf das Holz, auf dem jetzt mehrere Flecken waren, dunkel und hell und durcheinander, und auf ihre eigenen Hände, die sie nicht mehr auf der Handtasche hatte, weil sie die Handtasche nicht mehr hatte, und sie wusste nicht, wann sie sie abgesetzt hatte, und sie wusste nicht, wo sie war, und es war ihr gleich.
Die mit dem Hoodie stand auf.
Sie tat es langsam, mit den Händen auf den Oberschenkeln, und als sie stand, lief es ihr an beiden Beinen herunter, vorne und hinten, und sie wischte es nicht weg, und sie sah nicht ins Publikum, und sie ging nicht zur Seite, sie blieb einfach stehen, in der Mitte der Bühne, im Scheinwerfer, und atmete, und ihre Brust hob und senkte sich, und ihr Bauch war noch feucht, und die Seile hingen ihr von den Handgelenken, gelöst, aber nicht abgenommen.
Lena merkte, dass sie die ganze Zeit die Luft angehalten hatte.
Sie atmete aus, langsam, und es kam als Zittern heraus, und sie schloss die Augen, eine Sekunde, und als sie sie wieder öffnete, stand die andere noch neben ihr, und die andere sah sie immer noch an, und in ihrem Blick war nichts von dem, was Lena erwartet hätte — keine Prüfung, kein Spott, keine Einladung. Nur ein Warten. Als hätte die andere schon vor langer Zeit gewusst, dass Lena hier stehen würde, und als hätte sie nur darauf gewartet, dass Lena es selbst merkte.
„Sie geht nach der Show nach oben", sagte die andere.
Lena sah sie an.
„Die mit dem Hoodie", sagte die andere. „Nach oben. Duschen. Umziehen. Sie geht nicht nach Hause, nicht heute."
Sie sagte es ohne Betonung, so wie man eine Uhrzeit nennt oder eine Adresse, und dann drehte sie sich um und ging, ohne auf eine Antwort zu warten, und Lena stand allein am Rand des Lichts, und auf der Bühne löste der erste Mann das Seil von den Handgelenken der mit dem Hoodie, und die mit dem Hoodie ließ es geschehen, und der Bass lief weiter, und der Geruch blieb, und das Metall an Lenas Hüfte war noch da, kühl, und sie wusste nicht, wie lange sie schon hier stand.
Dann spürte sie eine Hand an ihrem Nacken.
Warm. Trocken. Die Finger lagen breit auf der Haut, über den Wirbeln, und der Daumen ruhte links, unter dem Haaransatz, und die Hand drückte nicht und zog nicht, sie lag einfach da, und Lena wusste, ohne sich umzudrehen, wem sie gehörte.
„Du bist gekommen", sagte Miriam.
Lena sagte nichts.
„Du hast sie dreimal gesehen." Die Hand blieb, wo sie war. „Beim ersten Mal hast du gezählt. Beim zweiten Mal hast du aufgehört zu zählen. Beim dritten Mal hast du nicht mehr gewusst, dass du zählst."
Lena schloss die Augen. Die Hand an ihrem Nacken war das Einzige, was sie noch spürte — nicht den Bass, nicht das Metall, nicht die feuchte Hitze zwischen ihren Schenkeln, nur die Hand, warm und trocken und ruhig, und sie merkte, dass ihr Kopf sich ein Stück nach vorn neigte, in die Hand hinein, ohne dass sie es wollte, und Miriam ließ es geschehen.
„Sie geht nach der Show nach oben", sagte Miriam, leise, direkt an ihrem Ohr, so leise, dass es niemand sonst hören konnte, und ihre Stimme war dieselbe wie immer, trocken und klar und ohne Eile. „Wenn du willst, kannst du mitkommen."
Lena öffnete den Mund.
Sie wollte etwas sagen. Sie wusste nicht, was. Sie wusste nur, dass ihr Mund offen war und dass kein Wort kam, dass da nichts war, keine Frage, keine Antwort, kein Ja und kein Nein, nur der offene Mund und die Hand an ihrem Nacken und der Bass und der Geruch und das Metall und die feuchte Hitze, die jetzt, in diesem Moment, in dem sie hätte sprechen sollen, stärker war als alles andere.
Sie nickte.
Einmal. Kaum sichtbar. So klein, dass sie selbst nicht sicher war, ob es geschehen war, und sie wartete auf die Hand, auf einen Druck, auf ein Zeichen, dass Miriam es gesehen hatte, und Miriam sah es, und Miriam ließ los, und die Hand verschwand von ihrem Nacken, und die Stelle, an der sie gelegen hatte, blieb warm, noch eine Weile, länger als sie sollte, und Lena stand am Rand des Lichts und sah auf die Bühne, wo die mit dem Hoodie jetzt ging, langsam, in das Dunkel hinter dem Vorhang, und der Bass lief weiter, und über ihr, irgendwo, wartete ein Raum, den sie nicht kannte.

