Stille Kontrolle
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Stille Kontrolle

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Einblicke im Lesesaal
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Chapter 1 of 2

Einblicke im Lesesaal

Im stillen Lesesaal der Uni beugt sich Lena über ein Biologiebuch, ihre Bluse klafft auf und gibt den Blick auf ihren schwarzen Spitzen-BH frei. Sie spürt Jonas' Blick auf sich, doch als sie aufsieht, hat er sich bereits wieder seiner Lektüre zugewandt. Sie rutscht näher zu ihm, ihr Knie streift unter dem Tisch fast seins, und flüstert: „Herr Weber, können Sie mir das mit der Meiose nochmal erklären?“ Er antwortet ruhig, aber seine Finger um den Stift sind weiß – und er hält den Blick strikt auf das Diagramm gerichtet, während ihr Parfüm ihn umhüllt.

Die Luft im Lesesaal roch nach altem Leder und Staub, das einzige Geräusch das trockene Rascheln von Seiten und das gedämpfte Knacken der dunklen Eichenbalken unter den Teppichen. Lena Hoffmann saß allein an dem langen Tisch, ihr Biologiebuch vor sich aufgeschlagen, doch ihre Augen waren nicht auf die Diagramme der Zellteilung gerichtet. Sie glitten über den Rand der Seite hinweg zu dem Mann am anderen Ende des Tisches – Jonas Weber, ihr Lehrer für Sport und Biologie, der mit gesenktem Kopf in einem dicken Band las.

Sie beobachtete ihn heimlich durch ihre Wimpern. Die Art, wie er die Seiten umblätterte – langsam, methodisch, als würde er jedes Wort aufnehmen. Seine breiten Schultern spannten das dunkelblaue Polohemd, und die feinen blonden Härchen auf seinen Unterarmen fingen das warme Nachmittagslicht ein, das durch die hohen Fenster fiel. Er wirkte vollkommen versunken, vollkommen unerreichbar.

Lena spielte mit einer Haarsträhne, wickelte sie um ihren Zeigefinger und ließ sie wieder los. Ihre grünen Augen verengten sich. Drei Wochen. Drei Wochen saß sie jetzt schon in seinen Kursen, trug die engsten Oberteile, die sie besaß, beugte sich über ihren Tisch, wann immer er vorbeiging, und ließ ihre Stimme einen Ton tiefer werden, als sie Fragen stellte. Nichts. Kein Zögern, kein verräterisches Glühen, keine Sekunde, in der seine eisblauen Augen länger auf ihr verweilten, als es sich gehörte.

Es war frustrierend. Es war herausfordernd. Und es machte sie nur entschlossener.

Sie rutschte auf ihrem Stuhl, ließ ihre Schultern sinken und öffnete langsam – fast beiläufig – den zweiten Knopf ihrer Bluse. Der schwarze Spitzen-BH darunter kam zum Vorschein, ein schmaler Streifen Stoff, der mehr versprach als er verbarg. Sie beugte sich tiefer über das Buch, als würde sie nach einer bestimmten Abbildung suchen, und ließ den Ausschnitt dabei genau in seine Blickrichtung fallen.

Ihr Herz schlug schneller, als sie es sich eingestehen wollte. Sie spürte es – diesen Moment, in dem sich seine Aufmerksamkeit verschob. Ein kaum wahrnehmbares Zögern in der Bewegung seiner Hand, ein Atemzug, der eine Spur zu lange dauerte.

Sie hob den Kopf.

Er hatte den Blick bereits wieder gesenkt, seine Finger glitten über den Rand der Seite, um sie umzublättern. Perfekt beherrscht. Perfekt gleichgültig.

Lena biss sich auf die volle Unterlippe. Ein Tick, den sie nicht kontrollieren konnte, besonders dann nicht, wenn sie nervös oder erregt war. Und im Moment war sie beides.

Sie rutschte näher zu ihm, ein paar Zentimeter nur, ihr Knie streifte unter dem Tisch fast seins. Der Stoff ihrer kurzen Jeansrock spannte sich über ihren Oberschenkeln, als sie die Beine wechselte. Ihr Parfüm – etwas Blumiges mit einer dunklen Note, das sie extra für die Bibliothekstermine auflegte – breitete sich langsam zwischen ihnen aus.

„Herr Weber?“ Ihre Stimme war leise, fast flüsternd, ein Ton, der Nähe erzwang. „Können Sie mir das mit der Meiose nochmal erklären?“

Er hob den Kopf. Seine eisblauen Augen trafen ihre, ruhig und beherrscht, aber für einen Moment – einen winzigen Moment – verengten sie sich. Dann war der Ausdruck wieder da: neutral, professionell, unantastbar.

„Welchen Teil genau verstehen Sie nicht?“ Seine Stimme war tief, kontrolliert, mit einer Präzision, die ihn als Lehrer auszeichnete.

Lena deutete auf eine Abbildung in ihrem Buch, beugte sich dabei so weit vor, dass ihre Brust fast das Papier berührte. „Hier, die Crossing-over-Phase. Ich verstehe nicht, wie die Chromosomen die Information austauschen.“

Sie sah, wie seine Finger um den Stift weiß wurden. Der Kugelschreiber lag neben seinem Buch, und er umklammerte ihn, als wäre er eine Rettungsleine. Aber seine Stimme blieb vollkommen ruhig.

„Beim Crossing-over brechen die homologen Chromosomen an bestimmten Stellen auf und tauschen Abschnitte aus. Dadurch entstehen neue Kombinationen von Genen.“ Er sprach langsam, betonte jedes Wort, und hielt seinen Blick strikt auf das Diagramm in ihrem Buch gerichtet. „Das ist ein wesentlicher Mechanismus der genetischen Vielfalt.“

„Und das passiert immer in der Prophase I?“ Sie ließ ihre Stimme nachdenklich klingen, als würde sie wirklich versuchen, den Stoff zu verstehen. Ihr Knie berührte seins jetzt – leicht, kaum wahrnehmbar, aber definitiv.

Er zuckte nicht zurück. Er tat überhaupt nichts. Nur der Stift in seiner Hand bewegte sich, drehte sich zwischen seinen Fingern, eine langsame, kontrollierte Bewegung.

„Ja. In der Prophase der ersten meiotischen Teilung. Die Chromosomen paaren sich zu Tetraden, und an den Kontaktpunkten – den Chiasmata – kommt es zum Austausch von DNA-Abschnitten.“

„Das klingt kompliziert.“ Lena ließ ihren Blick von dem Diagramm zu seinem Gesicht wandern, beobachtete die feine Linie seines Kiefers, die Art, wie er das Licht auf seinen Wangenknochen fing. „Ich glaube, ich brauche mehr Übung, um das zu verstehen.“

Die Stille zwischen ihnen dehnte sich. Im Lesesaal raschelte jemand eine Seite um, ein Stuhl knarrte irgendwo hinter ihnen, aber zwischen Lena und Jonas Weber lag eine Spannung, die nichts mit dem trockenen Stoff ihres Biologiebuchs zu tun hatte.

„Übung hilft“, sagte er schließlich. „Aber vielleicht sollten Sie sich auf das konzentrieren, was vor Ihnen liegt.“

Seine Worte waren neutral, aber der Unterton – dieser winzige Nachdruck auf dem Wort „konzentrieren“ – ließ Lenas Puls schneller schlagen. Sie sah zu ihm auf, suchte in seinen Augen nach einer Bestätigung, einem Zeichen, dass er mehr meinte als das Offensichtliche.

Er sah sie an. Diesmal wich er nicht aus. Seine eisblauen Augen hielten ihren Blick fest, und in ihnen lag etwas, das sie nicht ganz einordnen konnte. Nicht Interesse – das hätte sie erkannt. Eher eine Art stiller Herausforderung. Als würde er sagen: Ich weiß, was du tust. Und ich bin nicht beeindruckt.

Aber seine Finger um den Stift waren immer noch weiß.

Lena lächelte langsam, ließ ihre Zähne kurz über ihre Unterlippe gleiten. „Danke für die Erklärung, Herr Weber. Das hat wirklich geholfen.“

Sie richtete sich auf, aber sie rückte nicht weg. Ihr Knie blieb an seins gelehnt, ein stiller Anker, der sie verband. Sie spürte die Wärme durch den dünnen Stoff ihrer Strumpfhose, die Hitze, die von seinem Körper ausging.

Er sah wieder auf sein Buch, aber sie bemerkte, dass er eine Weile brauchte, bis er die Seite gefunden hatte. Seine Hand bewegte sich einen Moment zu spät, umblätterte beinahe zwei Seiten auf einmal, bevor er sich fing.

Lena verbarg ihr Lächeln hinter ihrer Hand, tat so, als würde sie über eine Formel nachdenken. Sie hatte ihn. Vielleicht nicht ganz, vielleicht noch nicht genug, aber sie hatte eine erste Bresche in diese eiserne Fassade geschlagen.

Die Frage war nur: Was würde er dagegen tun?

Sie saß noch eine Weile da, beugte sich ab und zu über ihr Buch, ließ ihre Haare nach vorne fallen, als sie eine Notiz machte. Jedes Mal, wenn sie sich bewegte, spürte sie seine Aufmerksamkeit wie ein physisches Gewicht auf ihrer Haut – obwohl er den Blick nie wieder hob.

Aber sie wusste es jetzt. Sie wusste, dass er sie beobachtete, wenn sie nicht hinsah. Dass dieser ruhige, beherrschte Lehrer, der immer die perfekte Distanz wahrte, sie doch wahrnahm – auf eine Weise, die über das Professionelle hinausging.

Und das machte das Spiel nur interessanter.

Ihr Knie ruhte noch immer an seins, ein stilles Versprechen, das zwischen ihnen pulsierte. Um sie herum raschelten Seiten, knackten Balken, flüsterte der Nachmittag in den hohen Fenstern. Aber Lena hörte nichts davon. Sie hörte nur das leise, gleichmäßige Atmen des Mannes neben ihr – und die Frage, die zwischen ihnen in der Luft hing, unausgesprochen und doch lauter als jedes Wort.

Sie beugte sich noch einmal vor, diesmal nicht aus Notwendigkeit, sondern aus Neugier. Ihr Gesicht war nah an seins, nah genug, um den Duft seiner Haut wahrzunehmen – etwas Sauberes, Seifiges, mit einer warmen Note darunter, die sie nicht benennen konnte.

„Herr Weber“, flüsterte sie, und ihr Atem strich über seine Wange, „danke, dass Sie sich die Zeit nehmen. Ich weiß das wirklich zu schätzen.“

Er drehte den Kopf. Seine Augen trafen ihre, und für einen Moment – einen einzigen, atemlosen Moment – lag etwas in seinem Blick, das sie noch nie bei ihm gesehen hatte. Etwas Dunkles, Hungriges, das sofort wieder verschwand, als hätte er es selbst nicht erwartet.

„Gern geschehen“, sagte er, und seine Stimme war eine Spur tiefer als zuvor. Er räusperte sich, sah wieder auf sein Buch. „Wenn Sie weitere Fragen haben, können Sie jederzeit zu mir kommen.“

Lena spürte, wie ihr Herz gegen ihre Rippen schlug. Sie hatte es gesehen. Dieses Aufblitzen in seinen eisblauen Augen, dieses Zögern, das seine Beherrschung durchbrochen hatte – nur für eine Sekunde, aber es war da gewesen.

Sie lächelte langsam, ließ ihre Zunge über ihre Unterlippe gleiten. „Das werde ich mir merken.“

Sie sah, wie sein Adamsapfel sich bewegte, als er schluckte. Seine Finger um den Stift waren immer noch weiß, aber jetzt zitterte die Spitze leicht, ein kaum sichtbares Beben, das sie nur bemerkte, weil sie so genau hinsah.

Die Stille zwischen ihnen wurde dicker, schwerer, als würde sie gleich überkochen. Lena spürte die Hitze in ihrem Bauch, das Pulsieren zwischen ihren Beinen, das sie kaum kontrollieren konnte. Sie rutschte auf ihrem Stuhl, presste ihre Oberschenkel zusammen, versuchte, die aufsteigende Erregung zu ignorieren.

Aber sie wusste, dass er es bemerkt hatte. Dass er die Veränderung in ihrer Körperhaltung wahrnahm, das leise Zittern ihrer Hände, als sie die Seite umblätterte. Und sie wusste, dass es ihn nicht kaltließ – so sehr er es auch versuchte.

Sie beugte sich noch einmal vor, ihre Lippen fast an seinem Ohr, und flüsterte: „Vielleicht könnten wir uns mal außerhalb des Unterrichts treffen? Für eine Nachhilfestunde?“

Seine Hand erstarrte auf der Seite. Einen langen Moment passierte nichts – kein Atemzug, keine Bewegung, keine Reaktion. Dann drehte er langsam den Kopf, bis seine Augen ihre trafen.

„Das wäre nicht angemessen“, sagte er, und seine Stimme war ruhig, aber sie hörte das Knirschen darunter, die Anstrengung, die es ihn kostete, diese Worte auszusprechen.

Lena hielt seinen Blick fest. „Was wäre nicht angemessen? Die Nachhilfe? Oder etwas anderes?“

Sein Kiefer spannte sich. Er sah sie an, wirklich an, mit einer Intensität, die sie den Atem anhalten ließ. Und dann – ganz langsam, fast widerwillig – ließ sein Blick für eine Sekunde nach unten wandern, über ihren Ausschnitt, über den schwarzen Spitzen-BH, der zwischen den offenen Knöpfen ihrer Bluse hervorblitzte.

Dann riss er sich los. Stand auf, so abrupt, dass sein Stuhl über den Teppichboden scharrte. „Ich muss los. Bis morgen im Unterricht.“

Er drehte sich um und ging, ohne sich noch einmal umzusehen. Aber Lena sah, wie seine Hand zitterte, als er seine Tasche aufhob. Sie sah die Anspannung in seinen Schultern, die Art, wie er sich zwang, nicht zu eilen.

Sie blieb sitzen, ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen, ihre Schenkel pressten sich zusammen gegen das Pulsieren zwischen ihnen. Ihr Blick blieb an der Tür hängen, durch die er verschwunden war, und ein langsames Lächeln breitete sich auf ihren Lippen aus.

Sie hatte ihn. Vielleicht nicht vollständig – noch nicht. Aber sie hatte eine Bresche geschlagen, einen Riss in dieser eisernen Fassade, der sich nie wieder ganz schließen würde.

Und sie wusste: Es war nur eine Frage der Zeit, bis er zurückkam.

Sie blieb sitzen, lange nachdem die Tür sich geschlossen hatte. Das Buch vor ihr war nur noch ein Fleck aus Farben und Linien, die Diagramme der Meiose verschwammen zu etwas Bedeutungslosem. Stattdessen sah sie immer wieder die Stelle vor sich, an der er gestanden hatte, die leere Fläche neben seinem Stuhl, als könnte sie ihn zurückholen, wenn sie nur lange genug hinsah.

Ihr Knie war noch warm von der Berührung. Diese eine Sekunde, in der ihre Körper sich unter dem Tisch getroffen hatten, brannte jetzt wie ein kleines Feuer, das sie nicht löschen konnte. Sie presste die Oberschenkel zusammen, aber das Pulsieren zwischen ihnen ließ nicht nach. Es wurde schlimmer, je länger sie daran dachte, wie er sie angesehen hatte – dieser eine dunkle, hungrige Moment, bevor er sich losgerissen hatte wie von etwas, das ihn verbrannte.

Sie atmete langsam aus. Ließ ihre Schultern sinken. Schob die Bluse zurecht, knöpfte sie langsam wieder zu, einen Knopf nach dem anderen, als könnte sie die Ordnung wiederherstellen, die er mit seinem Blick gestört hatte. Ihre Finger zitterten dabei, und sie musste zweimal ansetzen, um den obersten Knopf zu schließen.

Der Lesesaal war still. Nur das leise Rascheln einer Seite irgendwo hinter ihr, das Knarren eines Stuhls, der Atem einer alten Frau, die in einer Ecke in einem dicken Wälzer las. Normale Geräusche. Alltäglich. Und doch kam ihr alles gedämpft vor, als würde sie durch Watte hören, als wäre die Welt einen halben Ton leiser gestimmt seit er gegangen war.

Sie schloss ihr Buch, aber sie stand nicht auf. Ihre Hand blieb auf dem Einband liegen, die Finger über den Titel gespreizt, und sie starrte auf die Holzkörnung des Tisches, auf die feinen Rillen, die Generationen von Studenten hinterlassen hatten. Irgendwo darunter hatte jemand seine Initialen eingeritzt, klein und krumm, und daneben ein Herz, das halb verblasst war.

Sie fragte sich, ob er auch hier gesessen hatte, als er noch studiert hatte. Ob er denselben Tisch benutzt hatte, dieselben Stühle, denselben Blick aus den hohen Fenstern auf den Innenhof. Es war eine dumme Vorstellung, sie wusste es. Aber sie konnte nicht anders, als sich vorzustellen, wie er vor zehn Jahren ausgesehen hatte – jünger, ungestümer, vielleicht mit weniger Kontrolle über diesen Blick, der jetzt so eisern war.

Ihr Handy vibrierte in ihrer Tasche. Sie zuckte zusammen, griff danach, öffnete die Nachricht, ohne wirklich hinzusehen. Eine Kommilitonin fragte nach den Notizen zur letzten Vorlesung. Lena tippte eine kurze Antwort, legte das Handy weg. Ihre Gedanken waren woanders.

Sie stand auf, strich ihren Rock glatt, hob ihre Tasche. Der Stuhl scharrte über den Teppich, ein Geräusch, das in der Stille des Lesesaals laut klang. Ein paar Köpfe hoben sich kurz, dann senkten sie sich wieder. Niemand achtete auf sie. Niemand außer ihr selbst wusste, was gerade passiert war.

Aber sie würde es nicht vergessen. Sie würde diesen Moment mitnehmen, ihn in sich tragen wie ein Geheimnis, das sie nicht teilen konnte. Die Art, wie er sie angesehen hatte, als sie ihn mit ihrer Frage überrascht hatte. Die Art, wie seine Stimme sich vertieft hatte, als er geantwortet hatte. Die Art, wie seine Hand gezittert hatte, als er seine Tasche aufgehoben hatte.

Sie ging zur Tür, aber sie blieb noch einmal stehen. Drehte sich um. Blickte zurück auf den Tisch, an dem sie gesessen hatten, auf die zwei Stühle, die noch leicht verrutscht waren, auf das Buch, das er zurückgelassen hatte. Er würde zurückkommen müssen, um es zu holen. Morgen, übermorgen, irgendwann. Und wenn er es tat, würde sie da sein.

Sie lächelte, ein langsames, wissendes Lächeln, das sie nicht unterdrücken wollte. Dann drehte sie sich um und ging, die Tür fiel leise hinter ihr ins Schloss, und der Lesesaal kehrte zurück zu seinem Rascheln und Knacken, als wäre nichts gewesen.

Aber etwas war gewesen. Und es war noch nicht vorbei.

Die Türen der Sporthalle standen offen, als Lena am nächsten Morgen den Flur entlangging. Durch die Glasfenster sah sie die Bahnen des Schwimmbeckens, das Wasser so glatt und türkis, dass es aussah wie eine Fläche aus festem Glas. Ihre Sporttasche schlug gegen ihre Hüfte, als sie weiterging, den Geruch von Chlor bereits in der Nase, und ihr Puls beschleunigte sich auf eine Weise, die nichts mit der bevorstehenden Bewegung zu tun hatte.

Sie hatte die Nacht nicht gut geschlafen. Immer wieder war sie wach gelegen, die Augen auf die Decke gerichtet, und hatte die Stelle an ihrem Knie gespürt, wo seins sie berührt hatte. Die Art, wie er aufgestanden war, so abrupt, als hätte er brennen müssen, um nicht zu bleiben. Und dieses dunkle Aufblitzen in seinen Augen, bevor er sich losgerissen hatte – sie hatte es nicht vergessen können, so sehr sie es auch versucht hatte.

Die Umkleidekabine war schon halb voll, als sie eintrat. Stimmen, Lachen, das Klacken von Spinden. Lena schob sich an zwei Mädchen vorbei, die sich über ein Handy beugten, und fand ihren Spind am Ende der Reihe. Sie drehte das Schloss, ließ ihre Tasche auf die Holzbank fallen und begann, sich auszuziehen.

Um sie herum wechselten die anderen ihre Sachen. Junge Frauen, die meisten Anfang zwanzig, in verschiedenen Stadien der Entkleidung. Eine zog sich den Pullover über den Kopf, ihre Brüste für einen Moment frei, bevor der Sport-BH sie einfing. Eine andere stand schon im Bikini, beugte sich vor, um ihre Haare zu einem Knoten zu binden, und ihre nackte Haut glänzte im fluoreszierenden Licht. Überall nackte Arme, nackte Beine, nackte Rücken. Der Geruch von Deo und Shampoo und erhitzter Haut.

Lena zog ihre Bluse aus und ließ sie auf die Bank fallen. Sie sah an sich hinunter, an dem schwarzen Spitzen-BH, den sie bewusst gewählt hatte – nicht fürs Schwimmen, das wusste sie, aber sie hatte ihn trotzdem angezogen. Darunter ein schmaler Streifen Haut, dann der Bund ihres schwarzen Slips, der ihre Hüftknochen betonte.

Sie schob die Arme in ihren Badeanzug, einen dunkelblauen Einteiler, der tief ausgeschnitten war und an den Seiten hohe Ausschnitte hatte. Als sie ihn hochzog und sich zurechtrückte, spürte sie die Kühle des Stoffes auf ihrer Haut, den festen Sitz an ihren Brüsten, das leichte Einschneiden an ihren Hüften. Sie drehte sich zum Spiegel, zog die Träger zurecht, ließ ihre Haare offen.

Hinter ihr lachte jemand. Sie sah im Spiegel zwei Mädchen, die sich gegenseitig mit einem Handtuch schlugen, halbnackt, unbekümmert. Eine dritte stand nackt vor ihrem Spind und cremte ihre Beine ein, langsam, genüsslich, ohne jede Scham.

Lena wandte den Blick ab. Aber etwas in ihr registrierte es – die vielen jungen Körper, die weiche Rundung einer Brust, die scharfe Linie einer Hüfte, ein nackter Rücken, der sich beugte. Sie zwang sich, an etwas anderes zu denken, aber ihre Gedanken glitten immer wieder zurück zu demselben Punkt, zu demselben Mann, zu der Frage, ob er schon da war.

Sie trat aus der Umkleide in den Flur, der zum Becken führte. Ihre nackten Füße auf den feuchten Fliesen, die Luft plötzlich wärmer und schwerer vom Chlor. Und dann sah sie ihn.

Jonas stand am Rand des Beckens, das Gesicht halb von ihr abgewandt, und sprach mit einem Kollegen. Er trug eine schwarze Badehose und sonst nichts – und Lena blieb für einen Moment stehen, weil ihr Atem stockte. Sie hatte ihn nur in Polohemden und Stoffhosen gesehen, immer bedeckt, immer kontrolliert. Jetzt sah sie seine Schultern, breit und muskulös, die Linie seiner Wirbelsäule, die sich unter der blassen Haut abzeichnete, während er sich leicht vorbeugte. Sein Rücken war eine Fläche aus glatten, definierten Muskeln, die sich bewegten, als er gestikulierte. Seine Beine waren lang und kräftig, mit feinen blonden Härchen bedeckt, die im Licht des Hallenbads schimmerten.

Ihr Mund wurde trocken.

Sie zwang sich weiterzugehen, ihre Hüften schwingen zu lassen, ihre Schritte auf den nassen Fliesen so ruhig wie möglich. Sie spürte seinen Blick nicht, aber sie spürte seine Nähe, die Art, wie die Luft um ihn herum anders war. Sie nahm sich eine Bahn am Ende des Beckens, setzte ihre Kappe auf, tauchte ihre Zehen ins Wasser.

Es war kalt. Sie zuckte zusammen, aber sie stieg trotzdem ein, ließ sich langsam hineingleiten, bis das Wasser ihre Schultern umschloss. Für einen Moment war alles still unter der Oberfläche, nur das Rauschen ihres eigenen Blutes in ihren Ohren. Dann stieß sie sich ab und begann zu schwimmen.

Sie schwamm Bahnen, mechanisch, ihre Arme durchschnitten das Wasser in gleichmäßigen Zügen. Aber ihre Gedanken waren nicht bei ihrem Atemrhythmus. Sie waren bei ihm, bei der Frage, ob er sie sah, ob er sie beobachtete, wie sie durch das Wasser glitt – ob er überhaupt wusste, dass sie da war.

Nach zwanzig Minuten stieg sie aus. Wasser lief an ihr herunter, tropfte von ihrem Kinn, von ihren Haaren, die sich dunkel an ihren Rücken schmiegten. Sie schob die Kappe von ihrem Kopf und schüttelte ihr Haar aus, und als sie den Kopf hob, sah sie ihn ansehen.

Nur für einen Moment. Aber es war da – dieser Blick, den sie kannte, dieses kurze, dunkle Verweilen, bevor er sich abwandte. Er stand am Beckenrand, eine Hand auf dem Geländer, und starrte auf das Wasser, als hätte er nie etwas anderes getan.

Lena lächelte in sich hinein. Sie ging langsam zurück zur Umkleide, spürte seine Augen auf ihrem Rücken – oder bildete es sich zumindest ein, und das war genug.

In der Umkleide war es jetzt leerer. Nur noch wenige Mädchen, die sich umzogen, ihre Sachen zusammenpackten. Lena zog ihren Badeanzug aus, das nasse Gummi löste sich von ihrer Haut, und stand einen Moment nackt vor ihrem Spind, das Wasser noch auf ihren Armen, auf ihren Brüsten, zwischen ihren Beinen.

Sie griff nach ihrem Handtuch und trocknete sich ab, langsam, ohne Eile. Sie spürte die Blicke der anderen nicht, aber sie spürte etwas anderes – dieses Kribbeln unter ihrer Haut, das sie nicht abschütteln konnte. Die Vorstellung, dass er vielleicht noch da draußen war, dass er vielleicht wusste, dass sie jetzt hier stand, nackt, nur eine Wand entfernt.

Sie zog ihren Slip hoch, ihren BH, ihre Bluse. Knöpfte sie langsam zu, einen Knopf nach dem anderen. Ihr Rock folgte, und sie fuhr sich mit den Fingern durch die Haare, die noch feucht waren und sich an ihren Schultern kringelten.

Als sie aus der Umkleide trat, war der Flur leer. Sie ging zurück zum Becken, um ihre Schwimmbrille zu holen, die sie vergessen hatte – und blieb an der Tür stehen.

Jonas stand am Rand des Beckens, allein jetzt, und starrte auf das Wasser. Seine Hand lag auf dem Geländer, und seine Schultern waren angespannt, als trüge er etwas, das er nicht ablegen konnte. Er hatte sie nicht gehört, hatte nicht bemerkt, dass sie da war.

Lena beobachtete ihn einen Moment lang. Die Linie seines Kiefers, die sich spannte und entspannte, als würde er auf etwas beißen. Die Art, wie seine Finger das Geländer umklammerten, weiß an den Knöcheln, als würde er sich festhalten müssen.

Sie hätte gehen können. Sie hätte ihre Brille holen und verschwinden können, und er hätte nie gewusst, dass sie ihn gesehen hatte.

Stattdessen trat sie näher.

„Herr Weber?“

Er drehte sich um, so abrupt, dass er einen Schritt zurücktrat. Seine Augen weiteten sich für einen Moment, dann verengten sie sich, und er räusperte sich. „Frau Hoffmann. Ich dachte, Sie wären schon gegangen.“

„Ich habe meine Brille vergessen.“ Sie lächelte, hob die Hand, in der sie sie hielt. „Aber jetzt habe ich sie.“

Sie standen sich gegenüber, nur einen Meter voneinander entfernt. Sie konnte die Wassertropfen auf seiner Brust sehen, den feinen Film aus Feuchtigkeit, der seine Haut glänzen ließ. Sie konnte seinen Atem hören, noch leicht beschleunigt vom Unterricht, und sie konnte den Duft von Chlor und Seife und etwas anderem wahrnehmen, das sie nicht benennen konnte.

„Sie schwimmen gut“, sagte er, und seine Stimme war ruhig. „Sehr gut sogar.“

Lena hob eine Augenbraue. „Sie haben zugesehen?“

„Es ist meine Aufgabe, zuzusehen. Bei allen Schülern.“ Aber seine Augen verweilten einen Moment zu lange auf ihr, und sie wusste, dass es nicht bei allen so war.

Sie trat einen Schritt näher. „Und? Was ist Ihr Urteil?“

Sein Kiefer spannte sich. „Sie haben eine gute Technik. Saubere Züge. Sie könnten schneller sein, wenn Sie wollten.“

„Vielleicht brauche ich jemanden, der mich antreibt.“ Ihre Stimme war leise, und sie ließ die Worte in der Luft zwischen ihnen hängen, beobachtete, wie seine Augen sich verdunkelten, nur für einen Moment.

Dann riss er sich los. Er trat zurück, schüttelte den Kopf, als würde er etwas abschütteln wollen. „Sie sollten duschen. Sie werden sich erkälten.“

„Ja“, sagte sie, und ihre Stimme war ein Flüstern. „Das werde ich.“

Sie ließ ihn stehen, ging zurück zur Umkleide, spürte seinen Blick auf ihrem Rücken, bis die Tür sich hinter ihr schloss. Drinnen lehnte sie sich einen Moment gegen die kalte Wand, ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen, und sie presste die Oberschenkel zusammen gegen das Pulsieren, das zwischen ihnen aufgestiegen war.

Sie hatte es gesehen. Dieses dunkle, hungrige Aufblitzen in seinen eisblauen Augen, das er nicht verbergen konnte, egal wie sehr er es versuchte. Er war nicht so gleichgültig, wie er tat. Er war nicht so kontrolliert.

Und sie wusste jetzt mit Sicherheit: Es war nur eine Frage der Zeit, bis er einbrach.

Sie trat unter die Dusche und ließ das heiße Wasser über ihren Körper laufen, aber es half nicht. Die Hitze in ihr blieb, pulsierte weiter, und als sie den Kopf hob und das Wasser über ihr Gesicht lief, schloss sie die Augen und sah ihn wieder vor sich – nackt bis auf die Badehose, das Wasser auf seiner Haut, diesen Blick, der sie verbrannte.

Ihre Hand wanderte langsam an ihrem Bauch hinunter, über den nassen Slip, und sie spürte die Hitze, die sich dort sammelte. Sie drückte die Finger gegen den Stoff, schloss die Augen, und stellte sich vor, dass es seine Hand war – diese breite, kräftige Hand, die jetzt vielleicht auf dem Geländer lag, auf dem Weg zurück in sein Büro.

Sie schluckte. Zog die Hand weg. Stellte das Wasser ab.

Nicht hier. Nicht jetzt. Aber bald.

Sie stand noch einen Moment unter dem ausgeschalteten Duschkopf, das Wasser tropfte von ihr herab und sammelte sich zu ihren Füßen. Der Dampf löste sich langsam auf, und mit ihm die letzte Illusion von Kontrolle. Sie griff nach ihrem Handtuch und wickelte es sich um den Körper, aber der Stoff fühlte sich rau an auf ihrer erhitzten Haut, als würde er jede Berührung zurückwerfen, die sie sich gerade noch vorgestellt hatte.

Als sie in den Umkleideraum zurückkehrte, waren die meisten Spinde leer. Nur eine ältere Frau saß noch auf der Bank und zog sich langsam die Schuhe an. Lena ließ ihr Handtuch fallen und stand nackt vor ihrem Spind, das Wasser noch auf ihren Schultern, auf ihren Brüsten. Sie sah an sich hinunter und fragte sich, ob er sie so sehen würde – wenn er sie je so sehen würde. Ob er sie sich so vorstellte, wenn er nachts wach lag, wie sie es mit ihm tat.

Sie zog sich an, diesmal ohne Eile. Slip, BH, Bluse – weiße Baumwolle heute, nicht der schwarze Spitze von gestern. Sie wollte nicht, dass es aussah, als hätte sie sich für ihn herausgeputzt. Obwohl sie es getan hatte, natürlich. Alles, was sie tat, tat sie für ihn, seit drei Wochen, und sie konnte nicht mehr sagen, wo die Provokation aufhörte und das echte Verlangen anfing.

Ihre Haare waren noch nass, als sie die Umkleide verließ. Sie hatte sie sich nicht geföhnt, wollte sie offen lassen, damit sie dunkel an ihrem Rücken klebten und das Wasser langsam in ihre Bluse sickerte. Sie wusste, wie das aussah. Sie wusste, was es mit einem Mann machte, wenn er eine Frau so sah – frisch aus der Dusche, noch feucht, noch nicht ganz wieder angezogen.

Der Flur war leer, aber sie hörte Stimmen aus dem Hallenbad. Sie ging langsam, ihre Turnschuhe quietschten auf den nassen Fliesen, und blieb an der Tür stehen, die zum Becken führte.

Jonas stand immer noch am Rand, aber jetzt war er nicht mehr allein. Zwei Studentinnen standen neben ihm, beide in Bikinis, beide lachend. Eine von ihnen – Lena erkannte sie als die Blonde aus dem Leistungskurs, die immer in der ersten Reihe saß – beugte sich vor, um ihre Schwimmbrille zurechtzurücken, und ihre Brüste pressten sich gegen den dünnen Stoff ihres Oberteils. Die andere, eine Dunkelhaarige mit langen Beinen, legte den Kopf schief und sagte etwas, das Lena nicht hören konnte, aber das Jonas zum Lächeln brachte.

Lena blieb im Schatten der Tür stehen und beobachtete sie. Ihr Magen zog sich zusammen, aber nicht vor Eifersucht – nein, das war es nicht. Es war etwas anderes. Ein Kribbeln, das sie nicht benennen konnte, als sie sah, wie er mit ihnen sprach, wie seine Augen über ihre Körper glitten, ohne dass er es selbst zu bemerken schien. Er war ihr Lehrer. Er war allen ihr Lehrer. Und doch stand er da, halb nackt, das Wasser von seiner letzten Runde noch auf seiner Brust, und ließ sich von zwei jungen Frauen umschwärmen.

Sie sah, wie sein Blick kurz zu der Dunkelhaarigen wanderte, hinunter zu ihren Beinen, dann wieder weg – so schnell, dass es kaum sichtbar war. Aber Lena hatte es gesehen. Sie hatte es gesehen, und etwas in ihr wurde still und heiß zugleich.

Er war nicht unberührbar. Er war nur gut darin, es zu verbergen.

Sie trat einen Schritt zurück, nicht weil sie gehen wollte, sondern weil sie sich nicht erwischen lassen wollte, wie sie ihn beobachtete, wie er andere beobachtete. Aber sie konnte den Blick nicht abwenden. Sie sah, wie die Dunkelhaarige sich vorbeugte, um ihre Tasche zu holen, und wie Jonas' Augen für den Bruchteil einer Sekunde ihrem Ausschnitt folgten. Sie sah, wie die Blonde lachte und sich die Haare aus dem Gesicht strich, und wie er den Kopf schüttelte, aber nicht wegsah.

Und dann hob er den Kopf, und seine eisblauen Augen trafen ihre.

Lena erstarrte. Sie stand im Schatten, halb hinter der Tür verborgen, aber er hatte sie gesehen – das wusste sie sofort. Sein Gesicht veränderte sich nicht. Keine Überraschung, kein Erschrecken. Nur ein langer, ruhiger Blick, der eine Sekunde zu lange dauerte, bevor er sich wieder den beiden Studentinnen zuwandte, als wäre nichts gewesen.

Aber etwas war gewesen. Sie hatte es gespürt, diesen unsichtbaren Faden, der zwischen ihnen gespannt war, seit sie ihn zum ersten Mal im Lesesaal gesehen hatte. Und sie wusste, dass er es auch gespürt hatte.

Sie wandte sich ab und ging den Flur hinunter, zurück zu ihrem Spind. Ihre Hände zitterten, als sie das Schloss aufschloss, und sie musste sich einen Moment an der Wand festhalten. Ihr Herz schlug so laut, dass sie sicher war, er könnte es hören, wenn er jetzt hinter ihr stünde.

Aber er stand nicht hinter ihr. Er stand am Beckenrand, umgeben von jungen Frauen, die ihn anlächelten und ihre Körper zur Schau stellten – und doch hatte er sie gesehen. Er hatte sie gesehen, im Schatten, nass, mit offenen Haaren, und sein Blick war nicht weitergewandert, bis sie sich bewegt hatte.

Sie schloss ihren Spind und lehnte die Stirn gegen das kühle Metall. In ihrem Bauch pulsierte etwas, das sie nicht mehr ignorieren konnte, ein heißes, drängendes Verlangen, das sich zwischen ihren Beinen sammelte und ihren Atem flacher machte. Sie presste die Oberschenkel zusammen und schloss die Augen, aber das Bild wollte nicht weichen – er am Beckenrand, das Wasser auf seiner Haut, dieser Blick, der sie gefunden hatte, obwohl sie sich versteckt hatte.

Sie wollte nicht, dass er sie so sah – als eine von vielen. Sie wollte, dass er sie sah – nur sie. Und zum ersten Mal, seit sie dieses Spiel begonnen hatte, war sie sich nicht mehr sicher, wer hier wen jagte.

Als sie die Sporthalle verließ, war die Sonne schon höher gestiegen, und der Flur war hell und leer. Aber sie spürte seinen Blick immer noch auf sich, wie eine Berührung, die nicht verschwinden wollte. Und sie wusste: Er würde sie wiedersehen. In der nächsten Stunde. Im Lesesaal. Überall dort, wo sie sein würde, würde er sein – ob er es wollte oder nicht.

Die Tage danach wurden zu einer einzigen, langen Übung in Selbstbeherrschung. Dienstag: Biologie, zweite Reihe, und sie trug einen Rock, der genau zwei Fingerbreit über dem Knie endete – konservativ genug, um nicht aufzufallen, kurz genug, um es zu tun. Sie saß mit verschränkten Beinen, das obere über dem unteren, und ließ den Stoff langsam nach oben rutschen, Zentimeter für Zentimeter, während er über den Zellaufbau sprach. Sie sah, wie sein Blick für den Bruchteil einer Sekunde zu ihr wanderte, zu ihren Schenkeln, dann wieder weg – so schnell, dass sie es fast verpasst hätte. Aber sie hatte es gesehen. Sie sah immer, was er sah.

Mittwoch: kein Schwimmunterricht, aber sie fand einen Grund, am Sportbüro vorbeizugehen – Wasserflasche auffüllen, obwohl sie ihre eigene fast voll hatte. Die Tür war halb offen, und er saß am Schreibtisch, über irgendwelche Papiere gebeugt. Sie blieb nicht stehen. Sie wollte nicht, dass es aussah, als würde sie ihn suchen. Aber sie verlangsamte ihre Schritte, ließ ihre Hüften einen Tick mehr schwingen als nötig, und war sich sicher, dass er aufsah, als sie vorbeiging. Sie hörte das leise Stocken seiner Bewegungen, das Kratzen seines Stifts, das abrupt aufhörte.

Donnerstag: Vorlesung, und sie setzte sich so, dass er sie sehen musste, wenn er nach vorne sah – direkt in seiner Blickachse, die Beine übereinandergeschlagen, den Oberkörper leicht nach vorne geneigt. Sie trug ein Top mit einem Ausschnitt, der tief genug war, um die obere Rundung ihrer Brüste zu zeigen, wenn sie sich bewegte. Sie beugte sich vor, um etwas aus ihrer Tasche zu holen, und ließ den Stoff einen Moment hängen, und als sie aufsah, traf sie sein Blick – dunkel, kontrolliert, aber da. Er hielt ihn eine Sekunde zu lange, dann räusperte er sich und wandte sich der Tafel zu.

„…die Mitose, Phase zwei, Prophase, die Chromosomen kondensieren…“ Seine Stimme war einen Ton tiefer als sonst, und sie musste sich auf die Lippe beißen, um nicht zu lächeln.

Freitagmorgen. Schwimmunterricht, und Lena stand früher auf als sonst. Sie wählte ihren Bikini mit Sorgfalt – nicht den schwarzen, den sie letzte Woche getragen hatte, sondern einen dunkelgrünen, der ihre Augen hervorhob und an den Seiten so knapp geschnitten war, dass die Bänder ihrer Hüftknochen auf den Stoff trafen. Sie band ihn enger als nötig, drehte sich vor dem Spiegel, sah sich über die Schulter an. Das Wasser würde den Stoff durchscheinend machen, wenn er nass war. Sie wusste das. Sie zählte darauf.

Der Weg zum Schwimmbad war still. Die Flure waren leer um diese Uhrzeit, und ihre Schritte hallten auf den Fliesen. Sie kam früh – absichtlich früh, um sich in Ruhe umziehen zu können, bevor die anderen kamen. Der Umkleideraum war leer, als sie die Tür öffnete, die Luft kühl und feucht, erfüllt vom Geruch nach Chlor und Reinigungsmittel.

Sie trat ein und ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen.

Es war seltsam still. Normalerweise hörte man das Echo von Stimmen aus dem Becken, das Platschen von Wasser, die Rufe der anderen. Aber jetzt war nichts – nur das leise Summen der Lüftung und das Tropfen eines Hahns irgendwo im Hintergrund.

Sie ließ die Stille einen Moment auf sich wirken, dann trat sie zu ihrem Spind und drehte das Schloss. Metall klackte gegen Metall, und das Geräusch hallte unnatürlich laut in dem leeren Raum. Sie zog den Reißverschluss ihrer Tasche auf, ihre Finger fanden den Stoff des grünen Bikinis, und sie hielt inne.

Da war etwas. Ein Geräusch, das nicht hereingehörte. Nicht das Tropfen des Hahns, nicht das Summen der Lüftung – ein leises Scharren, wie eine Sohle auf feuchtem Fliesenboden. Sie drehte sich um, langsam, die Tasche noch in der Hand.

Die Kabinenreihe gegenüber stand halb offen. Zwischen dem Spalt der zweiten Kabine und ihrem Rahmen bewegte sich etwas – ein Schatten, der nicht stillhielt, ein dunkler Streifen, der sich gleich wieder zurückzog, als sie hinsah.

Ihr Herz setzte einen Schlag aus. Sie blinzelte, starrte auf die geschlossene Tür, die jetzt reglos war, und fragte sich, ob sie es sich eingebildet hatte. Aber nein. Sie hatte es gesehen. Eine Bewegung, die kein Luftzug machte, ein Umriss, der zu breit war für eine Frau.

„Hallo?“ Ihre Stimme klang dünner, als sie wollte. Sie räusperte sich. „Ist da jemand?“

Keine Antwort. Nur das Tropfen des Hahns, das plötzlich lauter schien, und das Summen der Lüftung, das ihre eigene Anspannung zu übertönen versuchte. Sie stand da, die Tasche vor der Brust, und spürte, wie ihr Puls in den Fingerspitzen pochte.

Sie hätte gehen können. Sie hätte die Tasche nehmen und in eine andere Umkleide wechseln können, oder einfach warten, bis die anderen kamen. Aber sie tat es nicht. Sie stellte die Tasche auf die Bank, sehr langsam, und ging auf die Kabinenreihe zu, ihre nackten Füße leise auf den Fliesen.

Die zweite Kabine. Sie legte die Hand auf den Türrand, das Plastik kühl unter ihren Fingern, und zog die Tür auf. Leer. Die dritte: leer. Die vierte, die letzte, stand einen Spalt offen, und sie stieß sie mit dem Fuß auf. Nichts. Nur feuchte Wände und der Geruch von Chlor, der aus dem Becken drang.

Sie drehte sich um, langsam, und ließ den Blick über den ganzen Raum wandern – die Bänke, die Spinde, die Duschreihe am Ende, deren Vorhänge sich leicht bewegten, obwohl kein Fenster offen war. Der Vorhang der letzten Dusche. Er bewegte sich noch, ein sanftes Schwingen, das langsam zur Ruhe kam.

Sie ging nicht hin. Sie stand da, die Arme verschränkt, und starrte auf den Vorhang, der jetzt reglos hing, und etwas in ihr – etwas, das sie nicht mehr kontrollieren konnte – machte ihren Atem flacher. Wenn er hier war, wenn er wirklich hier war und sie beobachtet hatte, dann war das kein Zufall. Dann war das eine Antwort.

„Ich weiß, dass du da bist“, sagte sie leise, und ihre Stimme zitterte nicht. „Ich habe dich gesehen.“

Stille. Ein langer Moment, in dem sie nur ihr eigenes Herz hörte, und dann ein Geräusch, das sie nicht einordnen konnte – ein leises Räuspern, tief, männlich, das sofort abbrach, als hätte sich jemand verraten und wollte es ungeschehen machen.

Lena lächelte. Ein langsames, heißes Lächeln, das sie nicht unterdrückte. Sie ging zurück zu ihrem Spind, drehte ihm den Rücken zu, und zog sich aus – nicht hastig, nicht schüchtern, sondern mit einer Ruhe, die sie selbst überraschte. Sie streifte das Top ab, ließ es auf die Bank fallen, öffnete den Knopf ihrer Shorts und schob sie über die Hüften. Sie stand da, nur im Slip, den Rücken zur Duschreihe, und wusste, dass er sie sah. Sie spürte seinen Blick wie eine Berührung auf ihrer Haut, auf den nackten Stellen zwischen den Schulterblättern, auf dem Bogen ihres Rückens, auf der Rundung ihres Hinterns, die der Slip kaum bedeckte.

Sie griff nach dem grünen Bikini und zog ihn langsam an. Sie band den Oberteil-Nackenverschluss mit sorgfältigen Fingern, drehte sich dann halb, als müsste sie etwas aus ihrer Tasche holen, und ließ ihren Blick dabei über die Duschreihe gleiten. Nichts. Nur der Vorhang, der jetzt still hing, und das leise Tropfen, das nicht aufhören wollte.

Aber er war da. Sie wusste es. Sie spürte es in jeder Faser ihres Körpers, in der Art, wie ihre Brustwarzen sich unter dem dünnen Stoff des Bikinis zusammenzogen, als sie den Vorhang ansah, in der Hitze, die zwischen ihren Beinen aufstieg, obwohl sie noch kein Wasser gesehen hatte.

Sie nahm ihre Schwimmbrille, drehte sich zur Tür und ging hinaus, ohne sich noch einmal umzusehen. Aber als sie den Raum verließ, ließ sie die Tür einen Spalt offen – nicht weit genug, um verdächtig zu sein, weit genug, dass ein Blick von draußen hineinfallen konnte.

Sie wusste nicht, ob er ihr folgen würde. Sie wusste nur, dass sie es wollte. Dass sie es die ganze Zeit gewollt hatte.

Der Flur war leer, als sie zum Becken ging, ihre Schritte auf den nassen Fliesen leise und bestimmt. Am Rand des Beckens blieb sie stehen, sah auf das glatte, unbewegte Wasser, das sie in grünlichen Bahnen widerspiegelte, und atmete tief ein. Sie konnte ihn immer noch spüren, diesen Blick, der auf ihr lag wie eine Hand, die sie noch nicht berührt hatte.

Sie hörte Schritte hinter sich. Langsam, schwer, das Geräusch von Schuhen auf Fliesen, und sie drehte sich nicht um. Sie stand am Beckenrand, den Rücken zur Tür, und ließ die Stille zwischen ihnen wachsen, bis sie unerträglich war.

„Sie sind früh dran, Frau Hoffmann.“

Seine Stimme. Ruhig, kontrolliert, aber eine Spur tiefer als im Unterricht – so tief, dass sie es kaum hören konnte. Sie drehte sich um, langsam, und sah ihn in der Tür stehen, die Hände in den Taschen seiner Jogginghose, das dunkelblonde Haar noch trocken. Er sah sie an, direkt, ohne zu blinzeln, und sein Blick wanderte nicht zu ihrem Ausschnitt, nicht zu ihren Beinen – er blieb auf ihren Augen, und das war irgendwie schlimmer.

„Ich wollte ein paar Bahnen ziehen, bevor der Unterricht beginnt“, sagte sie und hörte, wie ihre Stimme fest blieb, obwohl ihr Herz schlug. „Wenn das in Ordnung ist.“

„Es ist Ihre Freizeit.“ Er trat einen Schritt näher, blieb dann stehen. „Sie müssen nicht fragen.“

„Ich frage trotzdem.“ Sie hielt seinen Blick, ließ die Worte in der Luft hängen, und sah, wie sich etwas in seinem Gesicht bewegte – ein Muskel in seinem Kiefer, der sich anspannte, ein Blinzeln, das eine Sekunde zu spät kam. „Nur um sicherzugehen, dass Sie nichts dagegen haben.“

Er sagte nichts. Er stand einfach da, die Hände in den Taschen, und sah sie an, und in seinen eisblauen Augen war etwas, das sie nicht benennen konnte – aber sie spürte es, heiß und schwer, in ihrem Bauch. Sie wandte sich ab, bevor er antworten konnte, und tauchte ins Wasser.

Das kalte Wasser schlug über ihr zusammen, und für einen Moment war alles still – nur das Rauschen in ihren Ohren, die Kälte auf ihrer Haut, die das Bild seines Gesichts nicht löschen konnte. Sie schwamm ein paar Bahnen, kräftig, um den Kopf frei zu bekommen, aber es half nicht. Jedes Mal, wenn sie am Beckenrand auftauchte, sah sie ihn am Rand stehen, die Arme verschränkt, und wusste, dass er sie beobachtete.

Nach einer halben Stunde stieg sie aus dem Wasser. Sie stand am Beckenrand, das Wasser troff von ihr, und wusste, dass der grüne Bikini jetzt durchscheinend war, dass er jede Rundung zeigte, die er bedecken sollte. Sie sah ihn nicht an, als sie an ihm vorbei zur Umkleide ging, aber sie spürte seinen Blick auf ihrem Rücken, auf den Tropfen, die ihr über die Wirbelsäule liefen, und sie wusste, dass er zusah.

Sie duschte schnell, zog sich an – weiße Baumwolle, wie immer, wenn sie nicht provozieren wollte, obwohl sie es die ganze Zeit tat – und verließ die Umkleide, ohne sich umzusehen. Aber als sie den Flur hinunterging, hörte sie seine Stimme hinter sich, leise, nur für sie bestimmt: „Bis Montag, Frau Hoffmann.“

Sie drehte sich nicht um. Sie lächelte nur, ein kleines, heißes Lächeln, das niemand sah, und ging weiter.

Der Samstag zog sich hin wie Kaugummi. Sie lag auf dem Bett, das Handy in der Hand, und scrollte durch dieselben drei Apps, ohne etwas zu sehen. Immer wieder kehrte ihr Blick zur Tür ihres Zimmers zurück, als könnte er dort stehen, als könnte sich der Flur in einen Schwimmbadrand verwandeln, wenn sie nur lange genug hinschaute. Sie dachte an seine Stimme, dieses „Bis Montag, Frau Hoffmann“, das wie eine Drohung geklungen hatte und wie ein Versprechen zugleich. Sie dachte an den Vorhang, der sich bewegt hatte, an das Räuspern, das sofort abgebrochen war, und an die Art, wie er sie angesehen hatte, als sie aus dem Wasser gestiegen war – als hätte er etwas gesehen, das er nicht mehr aus dem Kopf bekam.

Sie ließ das Handy sinken und starrte an die Decke. Das Licht der Nachmittagssonne fiel durch das Fenster und zeichnete ein schmales Rechteck auf ihre Decke. Sie lag da, die Arme hinter dem Kopf verschränkt, und spürte, wie die Hitze des Tages langsam in den kühlen Abend überging. Ihre Finger wanderten, fast ohne dass sie es merkte, über ihren Bauch, über den Rand ihres Tops, und blieben dort liegen, wo die Haut weich und warm war.

Sie schloss die Augen. Sie sah ihn vor sich, wie er am Beckenrand gestanden hatte, die Arme verschränkt, das dunkelblonde Haar akkurat geschnitten, die eisblauen Augen, die sie angesehen hatten, ohne zu blinzeln. Sie sah die Art, wie sein Kiefer sich angespannt hatte, als sie gesagt hatte, dass sie fragen wollte, und sie spürte wieder diese Schwere in ihrem Bauch, diese Hitze, die sie den ganzen Tag nicht losgeworden war. Ihr Finger zeichnete Kreise auf ihre Haut, langsam, nachdenklich, und sie ließ ihn tiefer wandern, über den Bund ihrer Shorts, und hielt inne.

Sollte sie? Es war nicht das erste Mal, dass sie sich selbst berührte, aber es war das erste Mal, dass sie dabei an ihn dachte – wirklich an ihn, an seine Hände, an seine Stimme, an die Art, wie er sie angesehen hatte, als wäre sie eine Gleichung, die er nicht lösen konnte. Sie schob den Stoff ihrer Shorts zur Seite, langsam, und ließ ihre Finger über die feuchte Wärme gleiten, die sich dort gesammelt hatte. Sie war nass. Sie war die ganze Zeit nass gewesen, seit sie das Wasser verlassen hatte, seit sie seinen Blick auf ihrem Rücken gespürt hatte.

„Jonas“, flüsterte sie, und das Wort fühlte sich fremd an auf ihrer Zunge, verboten und süß. Sie sagte es noch einmal, leiser, und ließ ihre Finger kreisen, langsam, während sie sich vorstellte, dass es seine Hand war, die sie berührte, seine Finger, die sie öffneten. Sie stellte sich vor, wie er über ihr lag, schwer und warm, wie er ihren Namen sagte, nicht „Frau Hoffmann“, sondern „Lena“, mit dieser Stimme, die eine Spur tiefer wurde, wenn er nervös war.

Sie schob einen Finger in sich hinein und stöhnte leise auf, die Augen geschlossen, den Kopf in das Kissen gedrückt. Es war nicht genug. Es war nie genug, wenn sie es selbst tat, aber heute Abend war es anders – heute Abend hatte sie ein Bild, einen Namen, eine Stimme, die sie verfolgte. Sie bewegte ihre Hüften gegen ihre Hand, langsam, und stellte sich vor, wie er sie ansah, während sie das tat, wie er zusah, ohne etwas zu sagen, nur diese eisblauen Augen, die jede Bewegung verfolgten.

„Komm schon“, flüsterte sie, und wusste nicht, ob sie zu sich selbst sprach oder zu ihm. Sie drückte fester, schneller, und spürte, wie die Hitze in ihr aufstieg, wie ihr Atem flacher wurde, wie die Spannung in ihrem Bauch sich zusammenzog. Sie stellte sich vor, wie er ihre Hand wegnahm und seine eigene an ihre Stelle legte, wie er sie auf den Rücken drehte und sie ansah, während er in sie eindrang, langsam, tief, ohne zu blinzeln.

Sie kam mit einem leisen, erstickten Laut, die Finger noch in sich, den Rücken durchgebogen, und blieb dann liegen, atemlos, das Herz so laut, dass sie es im Kissen hörte. Sie zog ihre Hand heraus und sah den Glanz darauf, und für einen Moment fühlte sie sich beschämt – nicht wegen dem, was sie getan hatte, sondern weil es nicht er gewesen war, weil es nie er sein würde, wenn sie nicht etwas tat. Sie rollte sich auf die Seite und starrte auf das Handy, das neben ihr lag, dunkel und still.

Sie griff danach, öffnete die Nachrichten-App und tippte seinen Namen ein, bevor sie es sich anders überlegen konnte. Keine Nummer gespeichert – natürlich nicht – aber sie wusste, dass sie ihn über das Uni-Portal finden konnte, über die Kursliste, über die tausend Wege, die das Internet bot, um jemanden zu finden, den man nicht finden sollte. Sie hielt den Finger über dem Suchfeld und spürte, wie ihr Puls schneller wurde.

Sie tat es nicht. Sie ließ das Handy sinken und legte es auf den Nachttisch, das Display nach unten. Aber sie wusste, dass sie es morgen tun würde. Oder übermorgen. Oder am Montag, wenn sie ihn wiedersah, wenn sie wieder in der zweiten Reihe sitzen würde, die Beine übereinandergeschlagen, und sie würde es ihm zeigen – nicht mit Worten, sondern mit allem anderen.

Der Montag kam schneller, als sie gedacht hatte. Sie stand vor dem Spiegel, das Haar offen, die Lippen glänzend, und zog den Rock an, den sie Dienstag getragen hatte – den, der genau zwei Fingerbreit über dem Knie endete. Sie drehte sich zur Seite, sah sich über die Schulter an, und band ihr Top eine Spur enger. Sie wollte, dass er es sah. Sie wollte, dass er es nicht mehr ignorieren konnte.

Der Unterricht begann pünktlich, und er stand vor der Tafel, das Kinn gehoben, die Stimme ruhig und kontrolliert, als wäre nichts gewesen. Aber sie sah es. Sie sah, wie sein Blick zu ihr wanderte, als sie die Beine übereinanderschlug, wie er eine Sekunde zu lange auf ihren Schenkeln verweilte, bevor er zur Tafel zurückkehrte. Sie ließ den Rock langsam nach oben rutschen, Zentimeter für Zentimeter, und beugte sich vor, um etwas aus ihrer Tasche zu holen, den Ausschnitt ihres Tops einen Moment hängen lassend.

„…und die Meiose, Phase eins, die Crossing-over-Ereignisse…“ Seine Stimme stockte, nur für einen Moment, und sie sah, wie er sich räusperte, wie seine Hand, die die Kreide hielt, einen Tick fester zupackte. Sie lächelte, ein kleines, heißes Lächeln, das nur sie sah, und ließ ihre Hand langsam über ihren Oberschenkel gleiten, als müsste sie den Stoff glatt streichen. Sie sah, wie sein Blick ihrer Hand folgte, wie seine Augen sich verengten, und sie wusste, dass er sich erinnerte – dass er an Freitag dachte, an den Vorhang, an das, was er gesehen hatte.

Als der Unterricht endete, blieb sie sitzen, bis alle anderen gegangen waren. Er stand am Pult, Papiere zusammenlegend, und sah auf, als sie aufstand. „Haben Sie eine Frage, Frau Hoffmann?“ Seine Stimme war ruhig, aber sie hörte die Schärfe darin, die Anspannung, die er nicht verbergen konnte.

„Nur eine“, sagte sie und trat einen Schritt näher, nah genug, um seine Körpertemperatur zu spüren. „Waren Sie es am Freitag? In der Umkleide?“

Er sah sie an, lange, ohne zu blinzeln. Dann sagte er, leise, so leise, dass sie es kaum hörte: „Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen.“

„Natürlich nicht.“ Sie lächelte, drehte sich um und ging zur Tür. Aber als sie die Klinke berührte, hörte sie seine Stimme hinter sich: „Frau Hoffmann.“ Sie drehte sich nicht um. „Passen Sie auf, wohin Sie gehen.“

Sie stand einen Moment still, die Hand auf der Klinke, und spürte, wie ihr Herz schlug. Dann öffnete sie die Tür und ging hinaus, ohne sich umzusehen. Aber sie wusste, dass er ihr nachsah, und sie wusste, dass das Spiel gerade erst begonnen hatte.

Die Party war Finns Idee gewesen – einer aus ihrem Bio-Seminar, der jede Gelegenheit nutzte, um zu feiern. Und weil niemand einen besseren Ort wusste als die Schwimmhalle der Uni, hatten sie den Abend dort veranstaltet, mit Genehmigung des Hausmeisters, der gegen einen Kasten Bier und ein stilles Versprechen alles erlaubte. Lena hatte gezögert, als die Einladung in der Gruppe kam. Aber nur eine Sekunde. Dann hatte sie das Kleid gewählt, das sie sonst nur für Dates aufhob, und sich gesagt, dass es Zufall wäre, wenn er käme.

Es war kein Zufall.

Sie sah ihn, sobald sie die Schwimmhalle betrat. Er stand am Rand des Beckens, das in blauem Licht lag, ein Glas in der Hand, das er nicht anrührte, und trug ein schwarzes Hemd mit offenem Kragen, das sie noch nie an ihm gesehen hatte. Er unterhielt sich mit einem Kollegen, aber sein Blick wanderte über die Menge, suchte, fand – und blieb an ihr hängen, als sie durch die Tür trat. Einen Moment. Dann wandte er sich ab, als hätte er nichts gesehen.

Lena lächelte in ihr Glas.

Die Musik war laut, Bass lastete auf der feuchten Luft, und die Scheinwerfer warfen rotes und blaues Licht über das Wasser, das in Wellen an die Decke spiegelte. Studenten tanzten am Beckenrand, einige waren schon ins Wasser gesprungen, lachend, mit hochgekrempelten Hosen oder in Bikinis, die sie unter der Kleidung getragen hatten. Es roch nach Chlor, Schweiß und billigem Parfüm – und unter allem, kaum wahrnehmbar, nach etwas, das sie nicht benennen konnte, das aber ihren Puls schneller machte.

Sie schob sich durch die Menge, griff sich ein Getränk von einem Tisch, trank einen Schluck, der ihr die Kehle hinunterbrannte. Sie tanzte mit Finn, mit ein paar anderen, ließ sich von der Musik tragen, aber ihre Augen fanden ihn immer wieder. Er stand noch am Beckenrand, hatte sich jetzt halb zu ihr gedreht, und sie sah, wie sein Blick ihr folgte, wie er jede Bewegung verfolgte, die sie machte.

Sie tanzte absichtlich näher.

Die Hitze der Körper um sie herum, der Bass, der in ihren Beinen vibrierte – sie ließ sich davon treiben, bewegte ihre Hüften im Takt, das Kleid schwang um ihre Schenkel. Sie spürte seinen Blick wie eine Hand auf ihrer Haut, und sie wollte mehr. Sie wollte, dass er näher kam. Sie wollte, dass er es nicht mehr aushielt, sie anzusehen, ohne sie zu berühren.

Sie ließ ihre Hüften gegen ihn schwingen, als sie an ihm vorbeiging – ein Streifen, der wie ein Zufall wirkte, aber keiner war. Ihr Hintern strich über seine Hüfte, über die harte Stelle, die sie durch den Stoff seiner Hose spürte, und sie hörte, wie er scharf einatmete, ein Geräusch, das in der Musik fast unterging, aber nicht für sie.

„Entschuldigung“, sagte sie, ohne sich umzudrehen, und tanzte weiter.

Sie wusste, dass er ihr folgte, bevor sie es sah. Sie spürte es in der Art, wie die Luft um sie herum sich veränderte, wie der Raum, den er einnahm, näher kam. Sie tanzte am Rand des Beckens, das Wasser glitzerte hinter ihr, und dann war er da, direkt hinter ihr, so nah, dass sie die Wärme seines Körpers durch ihr dünnes Kleid spürte.

„Sie spielen ein gefährliches Spiel, Frau Hoffmann.“ Seine Stimme war leise, fast ein Flüstern, direkt an ihrem Ohr, und sie spürte seinen Atem auf ihrer Haut.

„Ich spiele nicht“, sagte sie, ohne sich umzudrehen. „Ich tanze.“

Seine Hand fand ihre Hüfte. Nicht fordernd, nicht grob – aber da, ein Gewicht, das sie durch den dünnen Stoff spürte, das sie zu sich zog, bis ihr Rücken gegen seine Brust stieß. Sie ließ es geschehen, ließ sich von ihm halten, spürte, wie sein Körper sich an sie schmiegte, wie seine Finger sich in ihre Hüfte gruben, als die Musik einen Beat tiefer fiel.

„Sie sollten vorsichtiger sein“, sagte er, und seine Stimme war jetzt eine Spur rauer.

„Warum?“ Sie drehte den Kopf, nur ein wenig, genug, um den Winkel seines Kiefers zu sehen, die Art, wie er sich anspannte. „Was könnte schon passieren?“

Er antwortete nicht. Aber seine Hand wanderte von ihrer Hüfte nach unten, über ihren Oberschenkel, langsam, so langsam, dass sie jeden Finger einzeln spürte, bis er an der Kante ihres Kleides anhielt. Sie hielt den Atem an. Das Wasser lag hinter ihnen, dunkel und ruhig, und sie wusste, dass sie nur einen Schritt von der Kante entfernt waren, dass jeder, der sie ansah, sehen konnte, wie seine Hand auf ihrem Schenkel lag.

„Sie sind zu jung, um zu wissen, was Sie tun“, sagte er, aber es klang nicht wie eine Warnung. Es klang wie etwas anderes.

„Ich bin einundzwanzig“, sagte sie. „Und ich weiß genau, was ich tue.“

Sie drehte sich um, langsam, bis sie ihm gegenüberstand, so nah, dass ihre Brüste seinen Hemdkragen streiften. Sie sah ihn an, direkt, ohne zu blinzeln, und ließ ihre Hand auf seine Brust gleiten, über den Stoff, bis sie den Rand seines Kragens erreichte. Sie spürte sein Herz darunter, schnell und stark, und sie wusste, dass sie gewonnen hatte.

„Sie haben mich beobachtet“, sagte sie leise. „Im Lesesaal. In der Umkleide. Am Beckenrand. Sie haben mich die ganze Zeit beobachtet.“

Sein Kiefer mahlte. „Sie haben sich beobachten lassen.“

„Vielleicht wollte ich das.“ Sie ließ ihre Hand tiefer gleiten, über seine Brust, seinen Bauch, bis sie den Bund seiner Hose erreichte. „Vielleicht wollte ich, dass Sie es tun.“

Seine Hand schoss vor und umschloss ihr Handgelenk, bevor sie weiterwandern konnte. Nicht grob – aber fest, eine Grenze, die er zog, ohne ein Wort zu sagen. Er sah sie an, lange, und in seinen eisblauen Augen war etwas, das sie nicht benennen konnte – aber es machte sie heiß, tiefer als jeder Blick, den er ihr je zugeworfen hatte.

„Nicht hier“, sagte er, und seine Stimme war so leise, dass sie es kaum hörte. „Nicht so.“

Er ließ ihr Handgelenk los und trat einen Schritt zurück. Aber er sah sie weiter an, und sie wusste, dass das kein Ende war. Das war ein Anfang.

Die Musik wechselte, wurde langsamer, und die Menge um sie herum teilte sich. Einige Studenten sprangen ins Wasser, lachend, und die Gischt spritzte über den Rand. Lena sah zu, wie die Lichter über das Wasser tanzten, und dann, ohne ein Wort, zog sie ihr Kleid über den Kopf.

Sie trug ihren grünen Bikini darunter – denselben, den sie am Freitag getragen hatte, denselben, den er durch den Vorhang gesehen hatte. Sie sah ihn nicht an, als sie zum Beckenrand ging, aber sie spürte seinen Blick auf ihrem Rücken, auf den nackten Stellen zwischen den Schulterblättern, auf der Rundung ihres Hinterns, die der Stoff kaum bedeckte. Sie tauchte ins Wasser, und die Kälte schlug über ihr zusammen, ein Schock, der ihr den Atem raubte.

Sie schwamm ein paar Züge, tauchte dann auf, das Wasser reichte ihr bis zur Brust. Sie sah zu ihm hinüber, der noch am Rand stand, das schwarze Hemd jetzt feucht von der Gischt, und sie winkte ihn mit einem Finger zu sich.

„Kommen Sie rein“, rief sie, laut genug, dass die Umstehenden es hören konnten. „Das Wasser ist warm.“

Er zögerte. Einen Moment lang sah er sie nur an, und sie dachte, er würde sich umdrehen und gehen. Aber dann, langsam, als hätte er eine Entscheidung getroffen, die er nicht rückgängig machen konnte, zog er sein Hemd aus.

Sie hatte ihn noch nie ohne Hemd gesehen. Im Unterricht trug er immer Polohemden, die seine Figur verbargen – aber jetzt sah sie, was darunter lag. Breite Schultern, eine Brust, die von Jahren des Schwimmens sprach, ein Bauch, der flach und hart war. Er warf das Hemd auf einen Stuhl und ging zum Beckenrand, ohne sie anzusehen, und tauchte ins Wasser, als wäre es das Natürlichste der Welt.

Er tauchte neben ihr auf, das Wasser troff von ihm, und sie sah, wie seine Haare, jetzt nass, dunkler waren. Er stand vor ihr, das Wasser reichte ihm bis zur Brust, und sie spürte die Wärme seines Körpers durch das kühle Wasser.

„Zufrieden?“ Seine Stimme war trocken, aber seine Augen waren es nicht.

„Noch nicht“, sagte sie und trat einen Schritt näher.

Unter Wasser war es dunkel, und niemand konnte sie sehen. Sie ließ ihre Hand über seine Brust gleiten, über die nassen Haare, die sich unter ihren Fingern kräuselten, und spürte, wie sich seine Muskeln anspannten. Er sagte nichts, aber er trat nicht zurück, und das war alles, was sie brauchte.

Sie ließ ihre Hand tiefer gleiten, über seinen Bauch, bis sie den Bund seiner Badehose erreichte. Sie spürte ihn durch den dünnen Stoff – hart, schwer, ein Verlangen, das er nicht verbergen konnte. Sie umschloss ihn, langsam, und hörte, wie er scharf einatmete, ein Geräusch, das im Wasser und in der Musik fast unterging, aber nicht für sie.

„Lena“, sagte er, und es war das erste Mal, dass er ihren Vornamen benutzte. Es klang wie eine Warnung und wie ein Gebet zugleich.

„Ja?“ Sie ließ ihre Hand nicht los, bewegte sie langsam über den Stoff, spürte, wie er unter ihrer Berührung zuckte.

„Hier sind Leute.“ Seine Stimme war rau, angespannt, aber er machte keine Anstalten, sie wegzustoßen.

„Ich weiß.“ Sie beugte sich näher, bis ihre Lippen fast sein Ohr berührten. „Aber sie sehen uns nicht.“

Seine Hand fand ihre Hüfte, unter Wasser, und zog sie näher, bis ihre Körper sich berührten. Sie spürte ihn gegen ihren Bauch, hart und drängend, und sie ließ ihre Hand los, um ihre Arme um seinen Hals zu schlingen. Sie tanzten, langsam, im Wasser, das um sie herum schwappte, und sie spürte seine Hände auf ihrem Rücken, auf den nackten Stellen, die der Bikini nicht bedeckte.

„Sie machen mich verrückt“, sagte er, und seine Stimme war jetzt so leise, dass sie es kaum hörte. „Seit Wochen. Sie wissen das, oder?“

„Ja“, flüsterte sie. „Ich weiß es.“

Seine Hand glitt tiefer, über ihren Hintern, unter den Stoff ihres Bikinis, und sie spürte seine Finger auf ihrer nackten Haut. Sie zuckte zusammen, nicht vor Schreck – vor Verlangen, das durch sie hindurchschoss, das ihre Beine weich machte.

„Nicht hier“, wiederholte er, aber diesmal klang es anders. Diesmal klang es wie eine Frage.

„Wo dann?“

Er sah sie an, lange, und dann, ohne ein Wort, nahm er ihre Hand und zog sie zum Beckenrand. Sie stiegen aus dem Wasser, beide triefend, und er führte sie an der Menge vorbei, durch den Flur, bis sie vor der Tür zur Umkleide standen.

„Bist du sicher?“ Seine Stimme war jetzt leise, ernst, und er sah sie an, als wollte er sichergehen, dass sie verstand, was sie tat.

Lena antwortete nicht. Sie öffnete die Tür und trat ein.

Die Umkleide war dunkel, nur das Licht von draußen fiel durch die hohen Fenster, ein blasses Blau, das die Umrisse der Spinde und Bänke zeichnete. Sie drehte sich zu ihm um, und in dem schwachen Licht sah sie, wie er sie ansah – nicht mit dem kontrollierten Blick aus dem Unterricht, sondern mit etwas Rohem, Ungeschöntem, das sie tief in ihrem Bauch spürte.

„Ich will, dass du zusiehst“, sagte sie, und ihre Stimme war ruhig, obwohl ihr Herz schlug. „Ich will, dass du mir zusiehst, wie ich mich ausziehe.“

Er lehnte sich gegen die Wand, die Arme verschränkt, und sah sie an. „Dann tu es.“

Sie griff hinter ihren Nacken und löste den Verschluss ihres Bikini-Oberteils. Der Stoff fiel, und sie ließ ihn auf den Boden gleiten, langsam, ohne Eile. Sie sah, wie sein Blick auf ihren Brüsten lag, wie seine Augen sich verdunkelten, und sie spürte, wie ihre Brustwarzen sich unter seinem Blick zusammenzogen.

Sie schob den Slip über ihre Hüften, ließ ihn fallen, und stand nackt vor ihm, das Haar nass, die Haut noch kühl vom Wasser. Sie sah, wie er schluckte, wie seine Hände sich zu Fäusten ballten, und sie wusste, dass er sich beherrschte – aber nur gerade so.

„Komm her“, sagte sie, und es war kein Bitten. Es war ein Befehl.

Er löste sich von der Wand, langsam, als wollte er jeden Zentimeter Abstand zwischen ihnen kontrollieren. Sie sah, wie seine Brust sich hob und senkte, wie seine Hände sich öffneten und wieder schlossen, und sie spürte die Spannung in der Luft, die zwischen ihnen knisterte wie vor einem Gewitter.

„Du weißt nicht, was du mit mir machst“, sagte er, und seine Stimme war jetzt so tief, dass sie es in ihrem Bauch spürte.

„Doch“, flüsterte sie. „Ich weiß es genau.“

Er kam näher, ein Schritt, dann noch einer, bis er vor ihr stand, so nah, dass sie den Chlorgeruch auf seiner Haut roch, gemischt mit etwas anderem, das sie nicht benennen konnte. Seine Hand hob sich, langsam, und sie dachte, er würde sie berühren – aber stattdessen fuhr er mit dem Finger über ihre Wange, über ihr Schlüsselbein, bis er zwischen ihren Brüsten anhielt.

„Du willst, dass ich die Kontrolle verliere“, sagte er. „Du willst, dass ich vergesse, wer ich bin.“

„Vielleicht“, sagte sie. „Vielleicht will ich das.“

Seine Hand glitt tiefer, über ihren Bauch, und sie spürte, wie ihre Muskeln sich unter seiner Berührung zusammenzogen. Er ließ seine Finger über ihre Hüfte wandern, über die Rundung ihres Pos, und dann, ohne Vorwarnung, grub er seine Finger in ihr Fleisch und zog sie an sich, bis ihre Körper sich berührten, Haut auf Haut, Hitze auf Hitze.

„Ich könnte dich jetzt nehmen“, sagte er, und seine Stimme war rau, fast ein Knurren. „Hier, auf dieser Bank. Und du würdest mich lassen.“

„Ja“, flüsterte sie. „Ich würde dich lassen.“

Er sah sie an, lange, und in seinen eisblauen Augen kämpfte etwas – Kontrolle gegen Verlangen, Vernunft gegen Hunger. Dann, ohne ein Wort, ließ er sie los und trat einen Schritt zurück. Nicht weit genug, um sie zu verlassen, aber weit genug, um Abstand zu schaffen, um sich selbst zu retten.

„Nicht heute“, sagte er. „Nicht so.“

Lena spürte die Enttäuschung wie einen kalten Schwall in ihrer Brust, aber sie ließ es sich nicht anmerken. Sie sah ihn an, ohne zu blinzeln, und dann, langsam, beugte sie sich hinunter, hob ihren Bikini auf und zog ihn wieder an, ohne Eile, ohne Scham. Sie sah, wie er ihr zusah, wie sein Blick jeder Bewegung folgte, und sie wusste, dass er jeden Zentimeter ihrer Haut mit den Augen verschlang.

„Du hast Angst“, sagte sie leise, als sie den Verschluss ihres Oberteils schloss. „Du hast Angst davor, was passiert, wenn du dich gehen lässt.“

„Ich habe Angst davor, was passiert, wenn ich es nicht tue“, sagte er, und sie hörte die Wahrheit in seiner Stimme, das Eingeständnis, das er sich selbst nicht hatte geben wollen.

Sie trat näher, bis sie vor ihm stand, und legte ihre Hand auf seine Wange. Er schloss die Augen, nur einen Moment, und sie spürte, wie er sich in ihre Berührung lehnte, wie er sich gehen ließ – nur für einen Herzschlag lang.

„Dann lass es passieren“, flüsterte sie. „Lass es einfach passieren.“

Er öffnete die Augen, und sie sah etwas darin, das sie nicht benennen konnte – etwas, das zwischen ihnen stand, das größer war als sie beide. Er nahm ihre Hand von seiner Wange, hielt sie fest, und führte sie zu seinen Lippen. Er küsste ihre Fingerknöchel, langsam, fast zärtlich, und sie spürte, wie ihr Herz einen Schlag aussetzte.

„Nicht heute“, wiederholte er, aber diesmal klang es anders. Diesmal klang es wie ein Versprechen.

Er ließ ihre Hand los und trat zurück. „Du solltest gehen. Bevor ich es mir anders überlege.“

Die Worte trafen sie härter, als sie erwartet hatte. Nicht die Zurückweisung – die hatte sie eingeplant, hatte sie schon im Lesesaal gespürt, als er sie hatte stehen lassen. Es war das Versprechen, das daranhing, das „nicht heute“, das wie ein Vorgeschmack auf etwas schmeckte, das sie noch nicht fassen konnte. Sie stand da, nass, die Haut noch kühl vom Chlorwasser, und sah ihn an. Sein Hemd lag noch auf dem Stuhl draußen, seine Brust hob und senkte sich, und sie sah, wie seine Hände zitterten, als er sie in den Taschen seiner nassen Hose vergrub.

„Und wenn ich nicht gehen will?“ Ihre Stimme war leiser, als sie beabsichtigt hatte, und sie hasste sich dafür, wie verletzlich sie klang.

Er sah sie lange an. Das Blau seiner Augen war im Halbdunkel fast schwarz, und sie sah etwas darin aufblitzen – etwas, das sie nicht benennen konnte, das aber ihren Puls beschleunigte. „Dann bleib. Aber ich kann nicht garantieren, dass ich mich beherrschen kann.“

Sie trat näher. Einen Schritt. Dann noch einen. Bis sie vor ihm stand, so nah, dass sie die Wärme seiner Haut spürte, den Chlorgeruch, der von ihm ausging, gemischt mit etwas anderem, das sie nicht benennen konnte. „Vielleicht will ich das nicht.“

„Lena.“ Sein Ton war eine Warnung, aber seine Augen waren es nicht. Sie sahen hungrig aus, fast verzweifelt, und sie spürte, wie ihr Herz einen Schlag aussetzte.

„Du hast gesagt, du hast Angst davor, was passiert, wenn du dich gehen lässt“, flüsterte sie. „Ich habe Angst davor, dass du es nie tust.“

Er schwieg. Einen Moment lang stand er da, die Hände in den Taschen, den Blick auf sie gerichtet, als wollte er sich jedes Detail einprägen. Dann, ohne ein Wort, zog er seine Hose aus – langsam, ohne Eile, ohne den Blick von ihr zu wenden. Sie sah, wie der Stoff über seine Beine glitt, und dann stand er vor ihr, nackt, und sie sah, was er vor ihr verborgen hatte.

Sein Schwanz war hart, stand steil von seinem Körper ab, die Eichel dunkel und feucht von der Erregung, die er nicht mehr verbergen konnte. Sie sah, wie er zuckte, als ihr Blick ihn traf, und sie spürte, wie ihre eigene Erregung durch sie hindurchschoss, wie ihre Schenkel weich wurden.

„Du wolltest zusehen“, sagte er, und seine Stimme war jetzt rau, tief, ein Ton, den sie noch nie gehört hatte. „Jetzt sieh zu.“

Sie sah zu. Sie sah, wie seine Hand seinen Schwanz umschloss, wie er ihn langsam auf und ab bewegte, und sie spürte, wie ihr Mund trocken wurde. Sie wollte ihn berühren, wollte ihn schmecken, wollte spüren, wie er in ihr war – aber sie stand da, regungslos, und sah zu, wie er sich vor ihr befriedigte.

„Komm her“, sagte er, und es war kein Bitten. Es war ein Befehl.

Sie ging zu ihm, langsam, jeden Schritt ein kleiner Tod ihrer Selbstbeherrschung. Er nahm ihre Hand und führte sie an seinen Schwanz, ließ ihre Finger um ihn schließen, und sie spürte, wie er unter ihrer Berührung zuckte, wie die Wärme seiner Haut durch sie hindurchschoss.

„Du willst das“, sagte er. „Du willst spüren, wie ich in dir bin.“

„Ja“, flüsterte sie. „Ich will es.“

Er drehte sie um, langsam, bis sie mit dem Gesicht zur Wand stand, die Hände auf den kalten Fliesen. Sie spürte seine Hände auf ihren Hüften, wie er sie zu sich zog, und dann spürte sie ihn – die Spitze seines Schwanzes, die über ihre feuchte Öffnung glitt, die sie neckte, ohne einzudringen.

„Bitte“, flüsterte sie. „Bitte.“

Er drang ein. Langsam, Zentimeter für Zentimeter, und sie spürte, wie er sie füllte, wie er sich in sie schob, bis er ganz in ihr war. Sie spürte, wie er ihre Hüften packte, wie er begann, sich zu bewegen – langsam zuerst, dann schneller, härter, bis sie die Fliesen unter ihren Händen spürte, bis sie das Geräusch ihrer Körper hörte, das im leeren Raum widerhallte.

„Ja“, stöhnte sie, den Kopf gegen die Wand gelehnt. „Genau so. Fick mich.“

Er tat es. Er fickte sie, hart und tief, und sie spürte, wie ihre Knie weich wurden, wie sie sich an ihn klammerte, um nicht zu fallen. Seine Hände gruben sich in ihre Hüften, zogen sie auf jeden Stoß, und sie spürte, wie die Hitze in ihr aufstieg, wie sie näher kam, ohne es zu wollen.

„Ich bin nah“, keuchte sie. „Ich bin so nah.“

„Warte“, sagte er, und seine Stimme war ein Knurren. „Noch nicht.“

Er zog sich zurück, drehte sie um, und hob sie auf die Bank. Sie lag unter ihm, die Beine gespreizt, und sah zu, wie er sich über sie beugte, wie seine Zunge über ihre Brustwarze fuhr, wie seine Hand zwischen ihre Schenkel glitt.

„Du schmeckst so gut“, murmelte er, den Mund an ihrem Hals. „Ich könnte dich den ganzen Tag lecken.“

Sie spürte, wie seine Finger in sie glitten, wie er sie dehnte, und sie stöhnte laut, als er begann, sie zu ficken, seine Daumen auf ihrer Klitoris, während seine Finger in ihr waren. Sie spürte, wie die Hitze in ihr aufstieg, wie sie näher kam, bis sie nicht mehr konnte – und dann kam sie, hart, ihre Hüften hoben sich von der Bank, und sie schrie seinen Namen.

Er zog seine Finger zurück, trat zwischen ihre Beine, und spürte, wie er sich in sie schob, wie er sie füllte, bis sie ihn ganz spürte. Er begann sich zu bewegen, schnell und hart, und sie spürte, wie die Wellen ihrer Erregung sie erneut erfassten, wie sie wieder kam, während er in ihr war.

„Ja“, stöhnte sie. „Fick mich. Fick mich hart.“

Er tat es. Er fickte sie, bis sie die Bank unter sich spürte, bis sie das Geräusch ihrer Körper hörte, das im leeren Raum widerhallte. Und dann, mit einem tiefen Stöhnen, kam er – sie spürte, wie er in ihr pulsierte, wie er sich in sie ergoss, und sie hielt ihn fest, als er sich über sie beugte, als er sie küsste, tief und fordernd.

Sie lagen da, verschwitzt, außer Atem, und sie spürte, wie sein Herz gegen ihres schlug. Sie sah ihn an, und in seinen Augen war etwas, das sie nicht benennen konnte – etwas, das zwischen ihnen stand, das größer war als sie beide.

„Das war nicht heute“, flüsterte sie. „Das war jetzt.“

Er lächelte, ein seltenes, echtes Lächeln, das seine Augen erreichte. „Nein. Das war jetzt.“ Er küsste ihre Stirn, langsam, fast zärtlich, und dann stand er auf und begann, sich anzuziehen.

Sie sah ihm zu, wie er sich anzog, wie er seine Hose überzog, sein Hemd überstreifte, ohne ein Wort. Sie sah, wie er zur Tür ging, und sie spürte, wie etwas in ihr sich zusammenzog – nicht Schmerz, sondern eine Leere, die sie nicht benennen konnte.

„Wirst du morgen da sein?“ Ihre Stimme war leise, fast ein Flüstern.

Er drehte sich um, die Hand auf der Türklinke, und sah sie an. „Ich bin immer da.“

Die Tür fiel hinter ihm zu, und sie lag auf der Bank, nackt, die Haut noch warm von seiner Berührung, und spürte, wie sein Samen aus ihr lief. Sie schloss die Augen und ließ die Stille über sich hereinbrechen – und in der Stille hörte sie sein Versprechen, wie es in ihr nachhallte.

Sie zog sich langsam an, die Finger noch zitternd, als sie den Verschluss ihres Bikinis schloss. Der Raum roch nach ihnen – nach Chlor, nach Schweiß, nach etwas, das sie nicht benennen konnte, das aber ihren Puls schneller machte. Sie trat hinaus in den Flur, das Geräusch ihrer Schritte hallte auf den feuchten Fliesen, und sie sah, dass die Party noch lief, die Musik noch dröhnte, das Wasser noch glitzerte.

Sie ging nicht zurück. Sie ging an der Menge vorbei, durch den Ausgang, in die kühle Nachtluft, die ihr Gesicht traf wie eine Erlösung. Sie ging nach Hause, die ganze Strecke, ohne anzuhalten, und sie spürte ihn noch in sich, bei jedem Schritt, eine Erinnerung, die sie nicht abschütteln konnte.

Zu Hause angekommen, schloss sie die Tür hinter sich, lehnte sich dagegen, die Augen geschlossen. Sie spürte, wie die Erregung wieder in ihr aufstieg, wie sie zwischen ihren Schenkeln pulsierte, und sie schob ihre Hand unter den Stoff ihres Bikinis, fand ihre feuchte Öffnung, und begann, sich zu streicheln.

Sie stellte sich vor, er wäre noch da. Sie stellte sich vor, wie er sie aufs Bett warf, wie er ihre Beine spreizte, wie er in sie eindrang – hart, fordernd, ohne Gnade. Sie stellte sich vor, wie er ihren Namen stöhnte, wie er sie fickte, bis sie schrie, und sie spürte, wie sie näher kam, wie die Hitze in ihr aufstieg.

„Jonas“, flüsterte sie, und der Name auf ihren Lippen trieb sie über die Kante. Sie kam, hart, die Finger tief in sich, und sie spürte, wie die Wellen durch sie hindurchschossen, bis sie erschöpft auf dem Bett lag, die Hand noch zwischen ihren Schenkeln.

Am nächsten Morgen weckte sie ein Geräusch an ihrer Tür. Sie blinzelte, die Sonne fiel durch die Vorhänge, und sie rappelte sich auf, die Beine noch schwer von der Nacht. Ein Päckchen lag vor ihrer Tür – klein, unscheinbar, in braunes Papier gewickelt, ohne Absender.

Sie hob es auf, trat zurück in die Wohnung, und öffnete es mit zitternden Fingern. Innen lag ein kleines, glattes Ei aus Silikon – ein Vibroei, erkannte sie sofort – und daneben ein Zettel mit einer Handschrift, die sie kannte, die sie überall wiedererkennen würde.

„Du wolltest Kontrolle abgeben. Hier ist sie. Trage es heute. Ich werde wissen, wann du es tust.“

Keine Unterschrift. Kein Name. Aber sie wusste, von wem es war. Sie spürte, wie ihr Herz einen Schlag aussetzte, wie die Hitze zwischen ihren Schenkeln aufstieg, und sie schloss die Hand um das Ei, das kühl und glatt in ihrer Handfläche lag.

Sie sah auf ihr Handy, das auf dem Nachttisch lag – keine Nachricht, keine Anrufe. Aber sie wusste, dass er da draußen war, dass er auf sie wartete, dass sein Spiel erst begonnen hatte.

Sie zog sich an, langsam, und steckte das Ei in ihre Tasche, bevor sie die Wohnung verließ. Die Vorlesung begann in einer Stunde – und sie konnte es kaum erwarten, ihn zu sehen.

Der Flur roch nach kaltem Altbau und Briefkasten, aber sie nahm nichts davon wahr. Nur das Gewicht in ihrer Tasche, das kleine, glatte Ei, das gegen den Stoff stieß, als sie die Tür hinter sich zuzog. Ihr Herz schlug hart, ein dumpfer Rhythmus, der bis in ihre Fingerspitzen pochte.

Sie blieb stehen. Mitten im Flur, die Hand noch auf der Klinke.

Sie konnte es jetzt tun. Oder sie konnte es in der Uni tun, in der Kabine der Damentoilette, hastig und mit zitternden Fingern, während draußen Stimmen vorbeizogen. Aber das hier war anders. Hier war niemand. Hier war nur sie und die Entscheidung, die sie treffen wollte.

Sie öffnete ihre Tasche, langsam, und nahm das Ei heraus. Es lag kühl in ihrer Handfläche, glatt wie ein Kiesel, der zu lange im Wasser gelegen hatte. Sie drehte es um, und ihre Finger fanden die kleine, weiche Spitze, die sich perfekt anfühlte, als wäre sie für genau diesen Moment gemacht worden.

Ihr Mund war trocken. Sie sah zur Tür, die sie gerade geschlossen hatte, dann zurück auf das Ei.

Du wolltest Kontrolle abgeben. Hier ist sie.

Sie hob den Rock, schob den Stoff ihrer Unterwäsche zur Seite, und spürte die kühle Luft an ihrer feuchten Haut. Sie war schon nass – sie war es gewesen, seit sie den Zettel gelesen hatte, seit sie seine Handschrift gesehen hatte, seit sie sich vorgestellt hatte, wie er das Ei in das braune Papier gewickelt hatte, mit denselben Händen, die sie letzte Nacht berührt hatten.

Sie führte das Ei an ihre Öffnung, langsam, und spürte, wie es kurz widerstand, wie ihr Körper sich anspannte, bevor sie es mit einem leisen Stöhnen hineinschob. Es glitt leicht, gleitend an ihrer eigenen Erregung, und sie spürte, wie es tief in ihr lag, wie es ihren Körper ausfüllte, wie es pulsierte, noch bevor es eingeschaltet war.

Sie ließ den Rock fallen, zog ihre Unterwäsche hoch, und stand da, einen Moment lang, die Hände flach an ihren Oberschenkeln. Sie konnte es spüren. Jede Bewegung, jeder Schritt, jede noch so kleine Muskelanspannung – das Ei war da, ein leises, konstantes Gewicht, das sie daran erinnerte, dass sie nicht allein war.

Ihr Handy lag in ihrer Tasche. Sie nahm es heraus, ihr Daumen glitt über das Display, und sie öffnete die App, die sie letzte Nacht heruntergeladen hatte, ohne zu wissen, ob er sie wirklich benutzen würde. Die Oberfläche war schlicht, fast klinisch – ein Schieberegler, ein paar Symbole, ein grüner Punkt, der anzeigte, dass das Gerät verbunden war.

Der grüne Punkt leuchtete. Er war da. Er wusste, dass sie es tat.

Sie spürte, wie ihr Herz einen Schlag aussetzte, wie die Hitze zwischen ihren Schenkeln aufstieg, wie ihre Finger um das Handy zitterten. Sie konnte es ausschalten. Sie konnte das Ei herausholen, in ihre Tasche stecken, und so tun, als wäre nichts gewesen. Aber das wollte sie nicht.

Sie wollte spüren, wie er sie kontrollierte.

Ihr Daumen verweilte über dem Regler, eine Sekunde, zwei. Dann, ohne dass sie es wirklich entschied, glitt er nach oben, und das Ei begann zu summen.

Ein leises, tiefes Brummen, das durch ihren ganzen Körper lief, das in ihr pulsierte, das sie von innen berührte. Sie keuchte, lehnte sich gegen die Wand, und spürte, wie ihre Knie weich wurden, wie sie sich an der glatten Oberfläche festhielt, um nicht zu fallen.

„Scheiße“, flüsterte sie, und ihre Stimme war fremd, rau, ein Ton, den sie nicht erkannte.

Das Summen war leise, kaum hörbar, aber sie spürte es überall. In ihrer Klitoris, in ihren Schenkeln, in der Tiefe ihres Bauches, wo es sie ausfüllte, wo es sie dehnte, wo es sie daran erinnerte, dass er sie sah, dass er wusste, was sie tat, dass er sie beobachtete.

Sie schob ihre Hand unter ihren Rock, spürte den Stoff ihrer Unterwäsche, die feuchte Wärme darunter. Sie wollte sich berühren. Sie wollte die Vibration spüren, sie wollte ihre Finger um das Ei legen, sie wollte sich selbst über die Kante treiben – aber sie tat es nicht.

Sie ließ die Hand sinken. Sie atmete tief durch, einmal, zweimal, und zwang ihre Beine, sich zu stabilisieren, ihre Knie, sich zu lockern.

Sie sah auf das Handy, auf den grünen Punkt, auf den Regler, der auf einer niedrigen Stufe stand. Er hatte es eingeschaltet. Er wusste, dass sie es trug. Und er würde wissen, wann sie es nicht mehr trug.

Sie schob das Handy in ihre Tasche, richtete ihren Rock, und trat vor die Wohnungstür. Ihre Hand lag auf der Klinke, kalt und metallisch, und sie spürte, wie das Ei in ihr summte, wie es sie bei jedem Atemzug an ihn erinnerte.

Sie öffnete die Tür. Der Flur draußen war leer, das Treppenhaus still, aber sie spürte ihn – seine Gegenwart, seine Kontrolle, sein Spiel. Sie trat hinaus, schloss die Tür hinter sich, und begann zu gehen.

Jeder Schritt war eine kleine Offenbarung. Das Ei bewegte sich in ihr, drückte gegen ihre Wände, summte leise, und sie spürte, wie ihre Erregung mit jedem Schritt stieg, wie sie feuchter wurde, wie sie sich wünschte, er wäre hier, wie er letzte Nacht gewesen war, hart und fordernd und ohne Gnade.

Sie erreichte das Treppenhaus, ihre Hand auf dem Geländer, und blieb stehen. Sie konnte es nicht ertragen. Sie konnte nicht einfach gehen, als wäre nichts, während dieses Ding in ihr summte, während sie wusste, dass er sie kontrollierte, während sie sich vorstellte, wie er auf sein Handy sah, wie er den Regler bediente, wie er lächelte.

Sie lehnte sich gegen die Wand, schloss die Augen, und atmete tief durch. Sie spürte, wie das Ei in ihr pulsierte, wie es sie füllte, wie es sie daran erinnerte, dass sie nicht allein war, dass er da war, dass er sie sah.

„Jonas“, flüsterte sie, und der Name auf ihren Lippen trieb sie näher an die Kante.

Sie öffnete die Augen, richtete sich auf, und ging weiter. Hinunter, durch den Hausflur, zur Tür, die in den Morgen führte. Die Sonne traf ihr Gesicht, warm und hell, und sie blinzelte, einen Moment lang geblendet.

Sie ging zur Uni. Jeder Schritt ein kleiner Tod ihrer Selbstbeherrschung. Und das Ei summte in ihr, eine leise, konstante Erinnerung daran, dass sein Spiel erst begonnen hatte.

Die Straße lag still im Morgenlicht, nur ein paar vereinzelte Studenten auf dem Weg zur Frühvorlesung, Rucksäcke über einer Schulter, Kaffeebecher in der Hand. Niemand sah sie an. Niemand wusste, dass sie unter ihrem kurzen Rock ein Geheimnis trug, das bei jedem Schritt gegen ihre empfindlichste Stelle drückte.

Sie zwang sich zu einem normalen Gang, die Schultern zurück, das Kinn gehoben. Aber jeder Schritt war eine Übung in Selbstverleugnung. Das Ei saß tief in ihr, glatt und unnachgiebig, und bei jeder Bewegung ihrer Oberschenkel spürte sie, wie es sich gegen ihre innere Wand schmiegte, als suche es einen Weg noch tiefer. Der Stoff ihrer Unterwäsche war längst durchfeuchtet, ein nasses, warmes Gefühl, das sie bei jedem Atemzug an ihre eigene Erregung erinnerte.

Sie dachte an seine Hände. Wie sie letzte Nacht ihren Körper gehalten hatten, fest und fordernd, wie seine Finger in sie eingedrungen waren, als gehörte sie ihm. Und jetzt trug sie sein Spielzeug in sich, hatte es sich selbst hineingeschoben, weil er es gewollt hatte – weil sie es gewollt hatte. Der Gedanke ließ sie innerlich zusammenzucken, eine Welle aus Hitze, die von ihrem Bauch aufstieg und ihre Brustwarzen unter dem dünnen Stoff ihres Crop-Tops hart werden ließ.

Das Handy in ihrer Tasche summte – nicht das Ei, das summte ununterbrochen auf niedriger Stufe, sondern eine Nachricht. Sie blieb stehen, mitten auf dem Bürgersteig, und zog es heraus. Der Bildschirm leuchtete auf: eine Nachricht von einer unbekannten Nummer. Nur ein Wort.

„Weiter.“

Ihr Herz setzte einen Schlag aus. Er sah sie. Er musste sie sehen – oder er wusste einfach, dass sie unterwegs war, dass sie das Ei trug, dass sie sich jeden Moment fragte, ob er zusah. Sie sah sich um, drehte den Kopf, suchte die Straße ab. Ein paar Gestalten in der Ferne, ein Fahrradfahrer, eine ältere Frau mit Einkaufstasche. Kein blondes Haar, keine breiten Schultern in einem Polohemd.

Aber er war da. Irgendwo. Sie spürte seinen Blick wie eine Berührung auf ihrer Haut.

Sie wollte zurückschreiben. Wollte fragen, wo er war, was er von ihr wollte, ob er sie gleich höher stellen würde. Aber ihre Finger zitterten über der Tastatur, und sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Also schob sie das Handy zurück in die Tasche, tief durchatmend, und ging weiter.

Das Summen in ihr wurde lauter.

Sie keuchte, blieb abrupt stehen, die Hand auf der nächsten Hauswand. Es war, als hätte jemand einen Schalter umgelegt – die Vibration sprang von der kaum spürbaren niedrigen Stufe auf etwas, das sie bis in die Zehenspitzen spüren konnte, ein tiefes, dröhnendes Brummen, das ihren ganzen Unterleib erbeben ließ. Ihre Knie gaben nach, und sie musste sich an der rauen Backsteinwand festhalten, um nicht zu sinken.

„Fuck“, zischte sie zwischen zusammengebissenen Zähnen, und der Schweiß trat ihr auf die Stirn, obwohl der Morgen kühl war.

Sie presste die Oberschenkel zusammen, versuchte, die Vibration zu ersticken, aber das machte es nur schlimmer – die Muskelanspannung presste das Ei noch fester gegen ihre G-Wand, und die Vibration schien direkt in ihren klitoralen Nervensträngen zu pulsieren. Sie konnte spüren, wie sie feuchter wurde, wie ihre Unterwäsche durchweichte, wie der dünne Stoff ihres Rocks sich an ihre Schenkel legte.

Vor ihr lag der Campus, nur noch zweihundert Meter entfernt. Sie konnte die Bibliothek sehen, den flachen Betonbau mit den Glasfronten, die in der Morgensonne glitzerten. Ihre Vorlesung begann in zwanzig Minuten. Und sie konnte keinen einzigen klaren Gedanken fassen, weil das Summen in ihr jede Synapse mit nackter Lust überflutete.

„Du Bastard“, flüsterte sie, aber es klang nicht wütend. Es klang atemlos. Flehend.

Sie richtete sich auf, zwang ihre Beine, sie zu tragen, und ging weiter. Jeder Schritt war eine Qual und eine Ekstase zugleich, das Ei in ihr tanzend und dröhnend, ihre Muskeln, die sich unwillkürlich darum zusammenzogen, als wollten sie es festhalten oder ausstoßen – sie wusste es selbst nicht mehr. Sie war sich nur sicher, dass sie es nicht herausholen würde. Nicht jetzt. Nicht, wo er zusah.

Der Campus kam näher, und mit jedem Meter wuchs die Angst davor, erwischt zu werden. Gleich würde sie unter Menschen sein. Gleich würde sie lächeln und nicken müssen, während ihr Körper von innen brannte, während sie sich wünschte, er würde die Vibration noch höher drehen, bis sie schreien musste.

Die Glastüren der Bibliothek glitten vor ihr auf, und die kühle, staubige Luft schlug ihr entgegen wie eine Ohrfeige. Sie atmete tief ein, zwang ihre Gesichtszüge in eine Maske aus Gleichgültigkeit, während das Ei in ihr weiter summte – eine leise, konstante Drohung, die bei jedem Schritt gegen ihre empfindlichste Stelle drückte. Der Pförtner nickte ihr zu, und sie nickte zurück, ohne ihn wirklich zu sehen, ihre Augen bereits auf der Treppe, die hinauf in den Lesesaal führte.

Sie ignorierte das Summen. Sie ignorierte die Art, wie ihre Muskeln sich bei jeder Vibration unwillkürlich zusammenzogen, wie die Feuchtigkeit zwischen ihren Schenkeln bei jedem Schritt gegen den Stoff ihrer Unterwäsche rieb. Sie ging die Stufen hinauf, eine nach der anderen, ihre Hand auf dem kühlen Geländer, und konzentrierte sich auf das Gleichmaß ihrer Atemzüge.

Der Lesesaal lag im Halbdunkel, die hohen Fenster ließen nur gedämpftes Morgenlicht herein, das in Staubkörnern tanzte. Vereinzelte Studenten saßen über ihre Bücher gebeugt, Rücken gekrümmt, Stirnen in Falten. Niemand sah auf, als sie eintrat. Niemand wusste, dass sie unter ihrem kurzen Rock ein Geheimnis trug, das bei jedem Atemzug gegen ihre innere Wand drückte.

Sie wählte einen Platz in der hintersten Ecke, abgeschirmt von einem hohen Bücherregal, das wie eine Mauer zwischen ihr und dem Rest des Raumes stand. Sie setzte sich, legte ihre Tasche auf den Tisch, zog ein Buch heraus – irgendein Buch, sie sah nicht einmal den Titel – und schlug es auf. Ihre Hände lagen flach auf den Seiten, und sie zwang sich, die Buchstaben zu lesen, Wörter zu formen, Sätze zu verstehen.

Das Summen in ihr pulsierte. Leise. Konstant. Wie ein zweiter Herzschlag.

Sie konnte es nicht ignorieren. Sie konnte so tun, als würde sie lesen, als wäre sie eine normale Studentin an einem normalen Morgen, aber jede Faser ihres Körpers war auf das Ding in ihr gerichtet, auf die Vibration, die sich in Wellen durch ihren Unterleib ausbreitete, die ihre Klitoris zum Pulsieren brachte, die sie feuchter machte, mit jeder Sekunde feuchter.

Sie presste die Oberschenkel zusammen, eine reflexive Bewegung, die das Ei nur noch tiefer gegen ihre G-Wand drückte. Sie keuchte leise, kaum hörbar, und senkte den Kopf über das Buch, als würde sie eine schwierige Passage studieren. Ihre Fingerkuppen waren weiß, wo sie den Rand der Seite umklammerten.

„Alles in Ordnung?“

Sie fuhr zusammen. Eine Kommilitonin stand am Ende ihres Tisches, eine Frau mit kurzen schwarzen Haaren und einem Stapel Bücher unter dem Arm, die sie mit leicht geneigtem Kopf ansah.

„Ja“, sagte Lena, und ihre Stimme klang fremd, eine Spur zu hoch. „Nur müde. Früh aufgestanden.“

Die Frau nickte, setzte sich zwei Tische weiter, und Lena atmete aus, ein langes, zittriges Ausatmen, das sie nicht kontrollieren konnte. Ihre Hände zitterten auf dem Buch. Sie konnte die Vibration in ihr spüren, wie sie sich in Wellen ausbreitete, wie sie gegen ihre empfindlichste Stelle drückte, wie sie sie daran erinnerte, dass er da war, dass er sie sah, dass er sie kontrollierte.

Sie sah auf ihr Handy, das auf dem Tisch lag, das Display dunkel. Sie fragte sich, ob er es gerade in der Hand hielt. Ob er auf den Regler sah, den Daumen über dem Schieberegler, ob er überlegte, ob er ihn höher drehen sollte. Ob er wusste, wie sehr sie sich das wünschte.

Der Gedanke ließ sie innerlich zusammenzucken. Sie wollte es nicht zugeben, nicht einmal sich selbst gegenüber, aber sie wollte, dass er es höher drehte. Sie wollte spüren, wie die Vibration stärker wurde, wie sie ihren Körper überflutete, wie sie sie an den Rand trieb, hier, mitten im Lesesaal, wo jeder sie sehen konnte, wo niemand wusste, was in ihr vorging.

Sie schluckte. Ihre Kehle war trocken. Sie griff nach ihrer Wasserflasche, trank einen Schluck, und das kalte Wasser lief ihre Speiseröhre hinunter, ein kühler Kontrast zu der Hitze, die in ihrem Bauch brannte.

Sie versuchte zu lesen. Wirklich. Sie zwang ihre Augen über die Zeilen, versuchte, den Sinn der Wörter zu erfassen, aber sie glitten an ihr vorbei wie Wasser an einer Glasscheibe. Ihr Verstand war nicht bei dem Buch. Ihr Verstand war zwischen ihren Schenkeln, bei dem Ei, das in ihr summte, bei der Vibration, die sie nicht abstellen konnte, bei dem Mann, der sie steuerte.

Sie sah auf die Uhr an der Wand. Zehn Uhr sieben. Ihre Vorlesung hatte vor sieben Minuten begonnen. Sie war nicht hingegangen. Sie war hierher gegangen, in die Bibliothek, an einen Ort, an dem sie allein sein konnte, an dem niemand sie beobachten würde, an dem sie versuchen konnte, die Kontrolle zu behalten.

Aber sie hatte keine Kontrolle. Nicht mehr. Sie hatte sie abgegeben, in dem Moment, als sie das Ei in sich geschoben hatte, in dem Moment, als sie die App geöffnet hatte, in dem Moment, als sie seinen Zettel gelesen hatte.

Ihr Handy summte. Nicht das Ei – das summte ununterbrochen, eine leise, konstante Erinnerung – sondern eine Nachricht. Ihr Herz setzte einen Schlag aus. Sie griff nach dem Handy, ihre Finger zitterten, und sie öffnete die Nachricht.

„Du hast die Vorlesung geschwänzt.“

Kein Fragezeichen. Keine Frage. Eine Feststellung.

Sie sah sich um. Ihr Blick wanderte durch den Lesesaal, über die gebeugten Rücken, die gesenkten Köpfe, die Bücherstapel. Sie suchte nach blondem Haar, nach breiten Schultern, nach einem Polohemd. Aber sie sah nichts. Nur Studenten, nur Bücher, nur Staubkörner im Morgenlicht.

Ihre Finger schwebten über der Tastatur. Sie wollte zurückschreiben. Wollte fragen, wo er war, wie er wusste, dass sie nicht in der Vorlesung war, ob er sie beobachtete. Aber ihre Gedanken wirbelten, und sie wusste nicht, was sie sagen sollte.

Also tippte sie nur zwei Wörter.

„Wo bist du?“

Die Nachricht ging raus. Der Bildschirm zeigte den grünen Punkt, der anzeigte, dass er online war. Dass er ihre Nachricht gesehen hatte. Dass er sie las, in diesem Moment, irgendwo in diesem Gebäude oder außerhalb, und dass er überlegte, was er antworten sollte.

Die Sekunden dehnten sich. Sie starrte auf das Display, auf die drei Punkte, die erschienen und wieder verschwanden, erschienen und wieder verschwanden. Ihr Herz schlug so laut, dass sie sicher war, die anderen Studenten konnten es hören.

Dann kam die Antwort.

„Näher, als du denkst.“

Das Summen in ihr wurde lauter.

Sie keuchte, ein scharfes Einatmen, das sie nicht unterdrücken konnte, und ihre Hand fuhr zum Tischrand, umklammerte ihn, die Knöchel weiß. Die Vibration war nicht nur lauter geworden – sie hatte eine andere Qualität, ein tieferes, dröhnenderes Brummen, das ihren ganzen Unterleib erbeben ließ, das direkt in ihren klitoralen Nervensträngen pulsierte, das sie an den Rand trieb, hier, mitten im Lesesaal.

Sie presste die Oberschenkel zusammen, versuchte, die Vibration zu ersticken, aber das machte es nur schlimmer. Ihre Muskeln spannten sich um das Ei, pressten es gegen ihre G-Wand, und die Vibration schien sich in ihr auszubreiten, Wellen aus Hitze und Lust, die ihren ganzen Körper überfluteten.

Sie senkte den Kopf, lies ihr Haar wie einen Vorhang über ihr Gesicht fallen, und atmete tief durch die Nase ein, durch den Mund aus, ein langes, kontrolliertes Ausatmen. Ihre Finger umklammerten den Tischrand, und sie konnte spüren, wie ihre Nägel in das weiche Holz gruben.

„Bitte“, flüsterte sie, und sie wusste nicht, ob sie ihn bat, aufzuhören oder weiterzumachen. Sie wusste nur, dass sie am Rand stand, dass sie jeden Moment fallen würde, dass sie nicht wusste, ob sie sich fangen konnte.

Sie sah auf das Handy. Der grüne Punkt leuchtete. Er war da. Er sah sie. Er wusste, was sie fühlte. Und er ließ die Vibration auf dieser Stufe, einer Stufe, die sie bis an den Rand trieb, ohne sie darüber fallen zu lassen.

Sie riss den Blick vom Display los, zwang ihre Augen zurück auf das Buch. Die Buchstaben verschwammen zu grauen Schnörkeln, bedeutungslos, während die Vibration in ihr weitermachte – nicht stärker, nicht schwächer, sondern einfach da, ein unerbittliches Pulsieren, das jeden Gedanken in ihrem Kopf zu Brei zermahlte. Sie konnte spüren, wie ihre Unterwäsche durchweicht war, der Stoff klebte an ihr, und bei jeder noch so kleinen Bewegung schob sich das Ei in ihr neu zurecht, traf eine Stelle, die sie dazu brachte, die Luft anzuhalten.

Sie schob das Buch von sich, stand auf. Ihre Beine fühlten sich an, als wären sie nicht ganz ihre eigenen, weich und zittrig, und sie musste sich einen Moment an der Tischkante festhalten, bevor sie sich traute, einen Schritt zu machen. Die Kommilitonin mit den schwarzen Haaren sah kurz auf, und Lena lächelte – ein schmales, entschuldigendes Lächeln, das andeuten sollte, dass alles in Ordnung war, dass sie nur auf die Toilette musste, dass sie gleich zurückkommen würde.

Der Gang zur Toilette war eine einzige Qual. Jeder Schritt ließ das Ei in ihr gegen die Wand ihres Bauches drücken, und sie musste sich zwingen, normal zu gehen, nicht zu schwanken, nicht die Hand an die Wand zu legen, um sich zu stützen. Sie passierte die Regalreihen, an deren Enden Studenten saßen, die Köpfe über Laptops gebeugt, und sie fragte sich, ob einer von ihnen wusste, was in ihr vorging. Ob er unter ihnen war. Ob er zusah, wie sie ging, und wusste, dass jeder Schritt sie ein Stück näher an den Abgrund brachte.

Die Tür zur Toilette fiel hinter ihr ins Schloss, und sie lehnte sich einen Moment dagegen, atmete tief durch. Der Raum war leer, gekachelt, grell beleuchtet, und das Summen in ihr schien lauter zu werden in der Stille, ein Echo, das von den Wänden zurückgeworfen wurde. Sie ging zur letzten Kabine, schloss die Tür ab und setzte sich auf den Deckel der Toilette, die Ellbogen auf die Knie gestützt, den Kopf in den Händen.

Sie konnte es abstellen. Das wusste sie. Die App war auf ihrem Handy, eine kleine, unscheinbare App, die sie unter dem Namen ihres Mitbewohners gespeichert hatte, und sie konnte einfach den Schieberegler nach unten ziehen, das Ei abstellen, sich die Unterwäsche richten und zurück an den Tisch gehen, als wäre nichts gewesen. Aber sie tat es nicht. Sie konnte es nicht. Ihre Finger lagen auf dem Display, und sie starrte auf den Schieberegler, auf den blauen Balken, der die Intensität anzeigte, und sie wollte ihn nicht nach unten ziehen.

Sie wollte, dass er es tat. Sie wollte spüren, wie er den Regler höher schob, wie er die Kontrolle übernahm, wie er sie dorthin brachte, wo er sie haben wollte. Der Gedanke ließ sie schaudern, ein tiefes, inneres Beben, das nichts mit der Vibration zu tun hatte, das aus einer Stelle kam, die sie nicht benennen konnte. Sie war es gewohnt, diejenige zu sein, die provozierte. Die den Ton angab. Die die Fäden in der Hand hielt.

Mit ihm war das anders. Mit ihm hatte sie das Gefühl, dass er sie durchschaute, dass er wusste, was sie brauchte, bevor sie es selbst wusste. Und das machte ihr Angst – nicht die Vibration, nicht die Kontrolle, die er über sie hatte, sondern die Tatsache, dass sie sie ihm freiwillig gegeben hatte.

Ihr Handy summte. Eine Nachricht. Ihr Herz setzte einen Schlag aus, und sie öffnete die Nachricht mit zitternden Fingern.

„Die Toilette ist ein schlechter Ort zum Verstecken.“

Sie keuchte. Ihre Augen rissen auf, und sie sah sich um, als könnte sie ihn durch die Kabinenwand hindurch sehen. Er wusste, wo sie war. Er wusste, dass sie geflohen war. Und er ließ sie nicht entkommen.

„Woher weißt du das?“, tippte sie, ihre Finger zitterten so stark, dass sie zweimal einen Buchstaben falsch traf und löschen musste.

„Du bist nicht an deinem Platz.“

Sie schluckte. Ihr Blick wanderte zur Tür der Toilette, die geschlossen war, und sie fragte sich, ob er davorstand. Ob er wartete. Ob er wusste, dass sie nur wenige Meter von ihm entfernt war, dass sie auf einer Toilette saß, die Unterwäsche durchweicht, das Ei tief in sich, und dass sie nicht wusste, ob sie fliehen oder bleiben sollte.

„Was willst du von mir?“, tippte sie.

Die Antwort kam sofort. „Ich will, dass du zurück an deinen Platz gehst. Und ich will, dass du dich hinsetzt. Und ich will, dass du tust, was ich dir sage.“

Sie las die Nachricht dreimal. Ihre Hände lagen ruhig auf dem Display, und sie spürte, wie sich etwas in ihr veränderte – eine Art Ruhe, die sie nicht erwartet hatte. Die Angst war noch da, aber sie war nicht mehr das, was überwog. Was überwog, war etwas anderes, etwas, das sie nicht benennen konnte.

„Und wenn ich nicht will?“, tippte sie.

Die Antwort dauerte eine Weile. Die drei Punkte erschienen, verschwanden, erschienen wieder. Sie starrte auf das Display, den Atem angehalten, und dann kam die Nachricht.

„Dann schalte ich es aus. Und du gehst nach Hause. Und wir tun so, als wäre nichts gewesen.“

Sie las die Nachricht, und etwas in ihr zog sich zusammen. Nicht vor Erleichterung. Nicht vor Angst. Vor etwas anderem, etwas, das sie nicht benennen konnte. Er gab ihr die Wahl. Er zwang sie nicht. Er ließ ihr die Kontrolle – und genau das machte es so schwer, sie abzugeben.

Sie stand auf, strich ihren Rock glatt, und sah in den Spiegel über dem Waschbecken. Ihr Gesicht war gerötet, ihre Augen glänzten, und ihre Lippen waren leicht geschwollen, vom Beißen. Sie sah aus wie jemand, der am Rand stand. Sie sah aus wie jemand, der kurz davor war, zu fallen.

„Ich will es“, flüsterte sie, und sie wusste nicht, ob sie es ihm oder sich selbst sagte. „Ich will es.“

Sie tippte die Nachricht, ihre Finger zitterten, und sie drückte auf Senden, bevor sie es sich anders überlegen konnte.

„Ich will es.“

Die Antwort kam sofort, nur ein einziges Wort, das sie bis ins Mark erschauern ließ.

„Dann komm zurück.“

Sie steckte das Handy in ihre Tasche, öffnete die Tür der Kabine und ging hinaus. Ihre Beine waren weich, aber sie ging aufrecht, den Blick geradeaus, und sie ignorierte das Summen in ihr, das lauter geworden war, das sie daran erinnerte, dass er da war, dass er auf sie wartete, dass er wusste, dass sie kommen würde.

Der Weg zurück durch den Lesesaal war eine einzige Qual. Sie spürte die Blicke der Studenten auf sich, obwohl niemand wirklich aufsah, und sie fragte sich, ob sie es ihnen ansah, ob sie es ihnen anmerkte, wie sie ging, wie sie sich bewegte, wie sie die Zähne zusammenbiss, um nicht aufzustöhnen. Sie erreichte ihren Tisch, setzte sich, und ihre Hand glitt zu ihrem Schoß, presste sich zwischen ihre Schenkel, um die Vibration zu ersticken. Aber das machte es nur schlimmer. Das Ei drückte gegen ihre G-Wand, und sie spürte, wie sich ihre Muskeln darum zusammenzogen, wie sie es fester umschlossen, wie sie es tiefer hineinzog.

Sie legte die Hand auf das Buch, zwang sich, die Buchstaben zu lesen, aber sie tanzten vor ihren Augen. Sie sah auf ihr Handy, das auf dem Tisch lag, das Display dunkel, und sie fragte sich, ob er in diesem Moment auf den Regler sah, ob er überlegte, ob er ihn höher drehen sollte. Sie spürte, wie die Vibration in Wellen durch ihren Körper lief, wie sie ihre Klitoris zum Pulsieren brachte, wie sie sie feuchter machte, mit jeder Sekunde feuchter.

Und dann, ohne Vorwarnung, wurde die Vibration stärker.

Ihre Finger krampften sich um den Buchrand, das Papier knitterte unter dem Druck. Die neue Stufe war nicht wie die vorherige – nicht dieses gleichmäßige, unerbittliche Pulsieren, gegen das sie sich hatte wappnen können. Diese Vibration kam in Wellen, die anschwollen und zurückfielen, wie eine Brandung, die sie nicht vorhersagen konnte, die sie bei jedem Anstieg tiefer in den Sitz presste, die ihre Hüften unwillkürlich nach vorne schob, auf der Suche nach mehr Druck, nach mehr Reibung, nach etwas, das den Sturm in ihr beruhigen würde.

Sie biss sich auf die Unterlippe, so fest, dass sie den metallischen Geschmack von Blut auf der Zunge spürte. Der Schmerz half. Nur ein wenig. Nur gerade genug, um nicht aufzustöhnen, um nicht den Kopf in die Hände zu legen und sich dem zu ergeben, was in ihr brannte.

Der Lesesaal war still. Zu still. Jedes Rascheln einer Seite schien direkt in ihrem Schoß zu widerhallen, jeder Räuspern eines Studenten traf sie wie ein Schlag. Sie wagte nicht aufzusehen, wagte nicht, den Kopf zu heben, aus Angst, dass jemand ihr Gesicht sehen würde – gerötet, die Augen glasig, die Lippen geschwollen vom Beißen.

Ihr Handy lag auf dem Tisch, das Display dunkel. Sie starrte darauf, als könnte sie es durch pure Willenskraft dazu bringen, zu leuchten, eine Nachricht zu zeigen, eine Anweisung, irgendetwas, das ihr sagen würde, was sie tun sollte. Aber das Display blieb schwarz. Er schwieg. Er ließ die Vibration für sich sprechen.

Und die Vibration sprach deutlich. Sie sprach von Geduld. Von Kontrolle. Von einem Mann, der genau wusste, was er tat, der sie hier sitzen ließ, mitten im Lesesaal, durchweicht und zitternd, und der keinen Grund sah, sie zu erlösen.

Sie schloss die Augen. Atmete ein. Atmete aus. Versuchte, sich auf etwas anderes zu konzentrieren – auf das Gewicht des Buches unter ihren Händen, auf den Geruch von altem Papier und Staub, auf das ferne Ticken der Uhr an der Wand. Aber jede Sekunde, die verging, brachte eine neue Welle, ein neues Anschwellen der Vibration, das ihre Gedanken wieder zurückriss zwischen ihre Schenkel.

Sie presste die Oberschenkel zusammen. Das Ei verschob sich in ihr, drückte gegen eine Stelle, die sie dazu brachte, die Luft anzuhalten. Sie konnte spüren, wie ihre Muskeln das Ding umklammerten, wie sie es fester hielten, wie sie versuchten, es zu kontrollieren – aber das Ei war nicht zu kontrollieren. Das Ei gehörte ihm.

Sie öffnete die Augen. Ihr Blick fiel auf die Kommilitonin mit den schwarzen Haaren, die zwei Tische weiter saß, den Kopf über ein Buch gebeugt, einen Stift in der Hand. Nichts an ihr deutete darauf hin, dass sie etwas bemerkt hatte. Nichts an ihr deutete darauf hin, dass sie wusste, dass nur wenige Meter von ihr entfernt eine Frau saß, die kurz davor war, in einem öffentlichen Lesesaal zu kommen.

Lena schluckte. Ihre Kehle war trocken, und sie griff nach ihrer Wasserflasche, trank einen Schluck. Das kalte Wasser lief ihre Speiseröhre hinunter, und für einen Moment – nur für einen Moment – schien es die Hitze in ihrem Bauch zu kühlen. Aber dann kam die nächste Welle, stärker als die vorherige, und sie musste die Flasche absetzen, beide Hände auf den Tisch legen, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren.

Sie konnte nicht hier bleiben. Das war ihr klar. Wenn die Vibration noch eine Minute länger anhielt, würde sie entweder aufschreien oder unter dem Tisch zusammenbrechen. Sie musste aufstehen, musste gehen, musste einen Ort finden, an dem sie allein sein konnte, an dem sie sich dem hingeben konnte, was in ihr brannte.

Aber er hatte ihr gesagt, sie solle an ihrem Platz bleiben. Er hatte ihr gesagt, sie solle tun, was er ihr sagte. Und sie hatte geantwortet, dass sie es wollte.

Sie hatte es gesagt. Sie hatte es ihm gesagt. Und jetzt konnte sie nicht mehr zurück.

Die Vibration wurde stärker.

Kein allmähliches Anschwellen diesmal. Kein Vorwarnen. Einfach eine neue Stufe, die sie wie ein Schlag traf, die ihren ganzen Unterleib erbeben ließ, die ihre Hüften unwillkürlich nach vorne schob, auf dem Stuhl, die ihre Hand zum Tischrand schießen ließ, umklammerte, die Knöchel weiß.

Sie keuchte. Ein scharfes, hohes Geräusch, das sie nicht unterdrücken konnte, das in der Stille des Lesesaals widerhallte wie ein Schuss. Die Kommilitonin sah auf. Ein älterer Mann am Ende der Regalreihe hob den Kopf.

Lena lächelte. Ein gequältes, entschuldigendes Lächeln, das sagen sollte: Es ist nichts. Nur ein Krampf. Nur ein Moment der Schwäche. Sie deutete auf ihre Wasserflasche, als wollte sie sagen: Ich habe mich verschluckt.

Die Kommilitonin nickte langsam und senkte den Blick wieder auf ihr Buch. Der ältere Mann auch. Aber Lena wusste, dass sie nur einen Herzschlag von einer Katastrophe entfernt war, dass jeder weitere Moment in diesem Raum sie näher an den Abgrund brachte.

Sie sah auf ihr Handy. Das Display war immer noch dunkel. Immer noch keine Nachricht. Immer noch keine Anweisung. Nur die Vibration, die in ihr pulsierte, die sie an den Rand trieb, ohne sie darüber fallen zu lassen.

Und dann – endlich – leuchtete das Display auf.

Sie griff nach dem Handy, ihre Finger zitterten so stark, dass sie es fast fallen ließ. Die Nachricht war kurz. Nur ein einziges Wort.

„Gut.“

Sie starrte auf das Wort. Ihr Herz schlug so laut, dass sie sicher war, die anderen konnten es hören. Gut. Er wusste, dass sie am Rand stand. Er wusste, dass sie kämpfte. Und er sagte ihr, dass es gut war.

Das Summen in ihr ließ nach.

Nicht abrupt. Nicht vollständig. Aber es sank zurück auf eine niedrigere Stufe, eine, die sie ertragen konnte, eine, die sie nicht mehr an den Rand trieb, sondern sie dort hielt, auf der Kante, zitternd und feucht und hungrig nach mehr.

Sie atmete aus. Ein langes, zittriges Ausatmen, das sie nicht kontrollieren konnte. Ihre Hände lagen flach auf dem Buch, und sie zwang sich, die Buchstaben zu lesen, Wörter zu formen, Sätze zu verstehen. Es war sinnlos. Ihr Verstand war nicht bei dem Buch. Ihr Verstand war bei ihm.

Sie sah auf die Uhr. Zehn Uhr siebzehn. Noch Stunden bis zum Ende des Tages. Noch Stunden, in denen sie hier sitzen würde, mit dem Ei in sich, mit der Vibration, die in regelmäßigen Abständen anschwoll und zurückfiel, die sie daran erinnerte, dass er da war, dass er sie sah, dass er sie kontrollierte.

Und sie wollte es. Sie wollte es so sehr, dass es wehtat.

Ihr Handy summte erneut. Eine weitere Nachricht.

„Schlag die Seite um. Du starrst sie schon fünf Minuten an.“

Sie spürte, wie das Blut in ihre Wangen schoss. Er sah sie. Er war hier, irgendwo in diesem Raum, und er sah sie. Ihr Blick riss hoch, wanderte durch den Lesesaal, über die Tische, die Regale, die Ecken. Aber sie sah ihn nicht. Nur Studenten. Nur Bücher. Nur Staubkörner im Morgenlicht.

Aber er war da. Er musste da sein. Er sah sie.

Sie schlug die Seite um. Ihre Finger zitterten, und das Papier raschelte lauter als nötig. Sie zwang sich, die neuen Buchstaben zu lesen, irgendein Wort zu erfassen, irgendeinen Sinn zu finden. Aber alles, was sie wahrnahm, war das Summen in ihr, das leise, konstante Pulsieren, das sie an der Schwelle hielt.

Und dann, ohne Vorwarnung, wurde die Vibration stärker.

Sie keuchte, ein scharfes Einatmen, das sie nicht unterdrücken konnte, und ihre Hand fuhr zum Tischrand, umklammerte ihn, die Knöchel weiß. Die Vibration war nicht nur lauter geworden – sie hatte eine andere Qualität, ein tieferes, dröhnenderes Brummen, das ihren ganzen Unterleib erbeben ließ, das direkt in ihren klitoralen Nervensträngen pulsierte, das sie an den Rand trieb, hier, mitten im Lesesaal, wo jeder sie sehen konnte, wo niemand wusste, was in ihr vorging.

Sie senkte den Kopf, ließ ihr Haar wie einen Vorhang über ihr Gesicht fallen, und atmete tief durch die Nase ein, durch den Mund aus. Ihre Finger umklammerten den Tischrand, und sie konnte spüren, wie ihre Nägel in das weiche Holz gruben. Sie durfte nicht aufschreien. Sie durfte sich nicht bewegen. Sie durfte nichts tun, das die anderen auf sie aufmerksam machen würde.

Aber sie konnte nicht anders. Das Ei in ihr drückte gegen ihre G-Wand, und ihre Muskeln zogen sich darum zusammen, unwillkürlich, rhythmisch, wie ein zweiter Herzschlag. Sie konnte spüren, wie ihr Körper sich darauf vorbereitete, zu kommen, wie die Spannung in ihrem Bauch sich aufbaute, wie die Hitze zwischen ihren Schenkeln unerträglich wurde.

Sie biss sich auf die Unterlippe. Hart. Der Schmerz durchzuckte sie, und für einen Moment – nur für einen Moment – schien er die Welle zurückzudrängen. Aber dann kam die nächste, stärker als die vorherige, und sie wusste, dass sie nicht mehr lange durchhalten würde.

Ihr Handy lag auf dem Tisch, das Display dunkel. Sie starrte darauf, bettelte stumm um eine Nachricht, um eine Anweisung, um irgendetwas, das ihr sagen würde, was sie tun sollte. Aber es blieb dunkel. Er schwieg.

Er ließ sie zappeln. Er ließ sie am Rand stehen, zitternd und feucht und kurz vor dem Fall, und er tat nichts, um sie zu erlösen.

Und sie wollte es nicht anders. Sie wollte, dass er sie dorthin brachte. Sie wollte, dass er entschied, wann sie fallen durfte. Sie wollte spüren, wie er die Kontrolle übernahm, wie er sie führte, wie er sie auffing.

Die Vibration wurde stärker.

Sie presste die Oberschenkel zusammen, und das Ei drückte gegen ihre Klitoris, und sie spürte, wie sich ihre Muskeln darum zusammenzogen, wie die Spannung in ihr unerträglich wurde, wie sie jeden Moment kommen würde, hier, mitten im Lesesaal, auf einem harten Holzstuhl, die Hand auf dem Buch, das sie nicht lesen konnte.

Und dann – in dem Moment, in dem sie sicher war, dass sie es nicht mehr aushalten würde – hörte die Vibration auf.

Sie keuchte. Ein scharfes, ersticktes Geräusch, das halb Erleichterung, halb Enttäuschung war. Ihr Körper zitterte, nachgehallt von der plötzlichen Stille, die so laut war wie die Vibration selbst. Sie konnte spüren, wie ihre Muskeln sich um das Ei zusammenzogen, wie sie nach der Vibration suchten, wie sie sie vermissten.

Sie sah auf ihr Handy. Das Display leuchtete.

„Nicht hier. Nicht jetzt.“

Sie las die Nachricht, und ihr Herz schlug so laut, dass sie sicher war, die anderen konnten es hören. Nicht hier. Nicht jetzt. Er hatte sie an den Rand gebracht, und dann hatte er sie zurückgezogen. Er hatte ihr gezeigt, was er konnte, und dann hatte er ihr gezeigt, dass er die Kontrolle hatte.

Sie schluckte. Ihre Kehle war trocken. Ihre Hände zitterten auf dem Buch, und sie zwang sich, tief durchzuatmen, sich zu beruhigen, die Röte aus ihren Wangen zu vertreiben.

„Wann?“, tippte sie. Ihre Finger waren immer noch ungeschickt, und sie musste den Buchstaben zweimal löschen, bevor sie die Nachricht senden konnte.

Die Antwort kam sofort.

„Wenn ich es sage.“

Sie las die Nachricht, und etwas in ihr zog sich zusammen. Nicht vor Angst. Nicht vor Wut. Vor etwas anderem, etwas, das sie nicht benennen konnte. Er hatte die Kontrolle. Er hatte sie von dem Moment an gehabt, als sie das Ei in sich geschoben hatte, und er würde sie nicht aufgeben.

Und sie wollte es nicht anders.

Sie legte das Handy auf den Tisch, das Display nach unten, und zwang sich, das Buch zu lesen. Die Buchstaben tanzten immer noch vor ihren Augen, aber sie zwang sich, sie zu erfassen, Wörter zu formen, Sätze zu verstehen. Sie würde lesen. Sie würde so tun, als wäre alles normal. Sie würde warten.

Sie würde warten, bis er es sagte.

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